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Newsletter Nr. 1/16

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Nagra beantragt unverändert, Nördlich Lägern zurückzustellen

Die Nagra hat eine umfangreiche Zusatzdokumentation zu den Nachforderungen des ENSI veröffentlicht. Gemäss Sachplan müssen die Entsorgungspflichtigen am Ende von Etappe 2 eine Einengung der vorgeschlagenen Standorte für ein geologisches Tiefenlager vornehmen. Dabei sollen diejenigen zurückgestellt werden, welche «eindeutige» Nachteile gegenüber anderen aufweisen. Für das Gebiet Nördlich Lägern weist die Nagra aus, dass im bevorzugten Tiefenbereich von 500-600m insbesondere unter Berücksichtigung «zu meidender tektonischer Zonen» nicht genügend Platz vorhanden ist. Beim Bau der Lagerkammern muss das Platzangebot so gross sein, dass man Zonen mit ungünstigen geotechnischen Bedingungen ausweichen kann.

Die Nagra argumentiert, dass der vermeintliche Vorteil einer grösseren Tiefenlage als Schutz vor Erosion nicht aufrechterhalten werden kann. Bis ein Gletscher ein Lager freigelegt haben könnte, dürften mindestens 100 ‘000 Jahre vergangen sein. Bis dann hat die Radioaktivität massiv abgenommen. Die Werte werden bis auf die natürliche Strahlung abgeklungen sein. Ins Gewicht fallende Nachteile identifiziert die Nagra auch, nach weiteren vertiefenden Untersuchungen, bei der Bautechnik Sie unterstreicht, dass grundsätzlich in allen vorgeschlagenen Standorten ein sicheres Lager gebaut werden kann. Die für den Antrag auf Zurückstellung von Nördlich Lägern ausschlaggebenden Nachteile sind bautechnischer Natur. Die Nagra räumt ein, dass auch in einer Tiefe von 900 Metern ein HAA-Lager gebaut werden kann. Sie gibt aber zu bedenken, dass pro 100 Meter Tiefe mit 3 Grad höheren Temperaturen zu rechnen ist, und wichtiger noch, dass die stärkere Auflockerung infolge grösserer Verformungen im Opalinuston zu einer Mobilisierung vorhandener Mikroben führen könnte. Damit verbunden wäre eine verstärkte Korrosion was zu einer unliebsamen zusätzlichen Gasbildung führen würde. Im Sinne der geforderten Optimierung der Sicherheit erachtet die Nagra eine derartige Störung des Opalinustons und damit der wichtigsten geologischen Barriere als klar nachteilig.

Der Ball liegt nun beim Eidgenössischen Nuklearsicherheitsinspektorat (ENSI). Bis im Frühjahr 2017 wird es seine Stellungnahme zur Zusatzdokumentation der Nagra abgeben.


Vorsorgliche Untersuchungen in Nördlich Lägern

Um Verzögerungen im Sachplanverfahren möglichst klein zu halten, startet die Nagra Ende Oktober mit seismischen Messungen im Gebiet Nördlich Lägern. Der Start findet auf deutschem Gebiet jenseits des Rheins in Hohentengen statt. Im Dezember erfolgen dann die Messungen auf Schweizer Seite. In Vorbereitung sind auch die Gesuche für Probebohrungen, welche gemacht werden müssten, wenn das ENSI die Zurückstellung von Nördlich Lägern nicht stützen würde.

 

Umweltverträglichkeitsprüfung

Die Forderungen des ENSI haben auch zur Reaktivierung der verschiedenen Fachgruppen in der Regionalkonferenz geführt. So stehen auf der Traktandenliste der Fachgruppe Oberflächenanlage (OFA) die Umweltverträglichkeitsprüfungen, welche für jeden potentiellen Standort der OFA gemacht werden müssen. Die Fachgruppe Sicherheit befasst sich mit den vier Expertenberichten, welche die Arbeitsgruppe Sicherheit der Kantone (AG SIKA) Anfang Jahr veröffentlicht hat sowie mit der Zusatzdokumentation der Nagra zu den Nachforderungen des ENSI.


Expertenberichte

Die Arbeitsgruppe Sicherheit der Kantone (AG SIKA) hat im Auftrag der Kantone in einer Medienmitteilung festgehalten¸ aus ihrer Sicht sei der Weiterzug der beiden Standortgebiete Zürich Nordost (ZNO) und Jura Ost (JO) in die Etappe 3 nachvollziehbar, die Zurückstellung von Nördlich Lägern (NL) indessen sei nicht gerechtfertigt. Das Argument der Nagra, das Platzangebot sei wegen Einschränkungen durch Tiefenlage und Tektonik zu gering, halte näherer Überprüfung nicht stand.

Die Studie zur Bautechnik der kantonalen Experten kommt zum Schluss, die Langzeitsicherheit sei trotz der grösseren Beanspruchung des Gebirges, möglicher Einwirkungen auf Bentonit und allfälliger Wasserwege durch den Ausbau gegeben. Die Nagra gibt demgegenüber zu bedenken, dass zwar der Opalinuston für die Langzeitsicherheit hervorragend geeignet sei, im Sinne der Optimierung der Sicherheit hält sie aber in Übereinstimmung mit dem Sicherheitskonzept, das dem Sachplan zugrunde liegt, am Mehrfachbarrierenprinzip fest. 

Die Gefahr, dass in Zürich Nordost (ZNO) ein Lager auf 500-600m Tiefe dereinst von einem Gletscher freigelegt werde, wie dies die Studie zur Erosion annimmt, hält die Nagra für unwahrscheinlich, da eine dicke harte Kalkschicht das Gebiet überdeckt. Ihre nochmals überprüften Dosisberechnungen zeigten, dass bis zu einer hypothetischen Freilegung durch einen Gletscher die Radioaktivität unter den vom ENSI vorgegebenen Wert von 0, 1 Millisievert gesunken sein wird.

 

Veranstaltungshinweise

Radioaktivität und Strahlenschutz selber erfahren

Radioaktivität ist vielen unheimlich. Wir können sie mit unseren Sinnesorganen nicht wahrnehmen, nicht sehen, nicht riechen, nicht schmecken. Dennoch sind wir täglich natürlicher, radioaktiver Strahlung ausgesetzt. Wie man sie sichtbar machen kann, sie wirkt, wie man sich schützt, das können Sie im Paul-Scherrer-Institut in Villigen ( www.psi.ch) erfahren.

18. November 18.00 – 21.15 Uhr Paul-Scherrer-Institut in Villigen (www.psi.ch)

Anreise privat, Parkplätze sind auf dem Areal vorhanden.


Programm

18.00 Uhr Begrüssung
18.05 Uhr Kurzeinführung über das Paul-Scherrer-Institut
18.15 Uhr Grundlagen Radioaktivität, Strahlenschutz und biologische Wirkung
18.45 Uhr Fragerunde

19.00 Uhr Kaffeepause

Experimente in Gruppen

19.15 Uhr Gruppe 1: Demonstration Nebelkammer 
(Sichtbarmachung ionisierender Strahlung), Alpha-Strahlung
(Reichweite, Abschirmung, Schutz, Radon, etc.)

Gruppe 2: Praktische Übungen: Ausbreitung von Gammastrahlung
(Abstandsgesetz), Abschirmung von Gamma- und Betastrahlung 
(Abschirmwirkung verschiedener Materialien)

20.00 Uhr Gruppenwechsel

Gruppe 1: Praktische Übungen: Ausbreitung von Gammastrahlung

(Abstandsgesetz), Abschirmung von Gamma- und Betastrahlung 
(Abschirmwirkung verschiedener Materialien)

Gruppe 2: Demonstration Nebelkammer
(Sichtbarmachung ionisierender Strahlung), Alpha-Strahlung
(Reichweite, Abschirmung, Schutz, Radon, etc.

20.50 Uhr Plenum, Fragen, Besprechung der Experimente 

21.00 Uhr Apéro


Kostenbeitrag CHF 25.00 (wird in bar am Veranstaltungsort eingezogen)

Anmeldung bis zum 16. November : info@winklercom.ch

 

 

Herbstveranstaltung Regionalgruppe Nordost

Freitag, 4. November 2016 auf der Klosterinsel Rheinau

Wie gefährlich ist Radioaktivität aus dem Tiefenlager? Die Frage interessiert nicht nur die Experten, sondern auch zahlreiche Personen in den potenziellen Standortregionen. Dr. Walter Rüegg, Kernphysiker und ehemaliger Chefphysiker der Schweizer Armee, gibt uns Einblicke in die Thematik und steht für Fragen zur Verfügung. 

Vorgängig zum Referat gewährt uns Werner Senn einen Einblick in die „Musikinsel Rheinau“. Er erläutert die Geschichte der Insel und erklärt auf einen Rundgang die architekturhistorische Entwicklung der Kirche und der Klosterbauten.

 

Programm

18.00 Uhr Eintreffen beim Fussgänger-Eingang der Klosterinsel
 Rundgang mit Werner Senn

19.00 Uhr Referat Dr. Walter Rüegg im Proberaum 4

ab 20.00 Uhr Kleiner Imbiss im Restaurant Salmen$

Anmeldung bitte bis spätestens Montag, 31. Oktober 2016
per E-Mail, Fax 031 311 81 38