Felsen

Newsletter 4/2016

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Christian Heydecker

heydecker@heydecker-tektas.ch

Ausblenden ist nicht möglich

Sofortiger Ausstieg, geordneter Ausstieg oder gar kein Ausstieg. Egal, wie sich das Schweizer Volk am 27. November 2016 und später dann beim Referendum über die Energiestrategie 2050 entscheidet, die radioaktiven Abfälle sind da. Und sie fallen auch weiterhin an, egal, welches Szenario Realität wird.

Damit bleibt uns aber auch die Aufgabe erhalten, diese Abfälle sicher und verantwortungsvoll zu entsorgen. Forum VERA hat sich immer aus der Frage "Für oder gegen die Nutzung der Kernenergie?" herausgehalten. Wir haben uns immer mit Nachdruck dafür stark gemacht, ein Problem, das selbst mit einer ideologisch getönten Brille nicht ausgeblendet werden kann, zu lösen und nicht zu bewirtschaften oder gar zu instrumentalisieren.

Bei der Entsorgungsfrage ist daher nicht Ideologie oder Taktiererei gefragt, sondern Sachverstand, Verantwortungsbewusstsein und Beharrlichkeit. Und auch eine gehörige Portion Frustrationstoleranz. Es ist nämlich nicht immer einfach, sich aktiv und öffentlich für diese Aufgabe, also Lösung des Entsorgungsproblemes, einzusetzen. Vielfach schlägt nämlich das anfängliche Unverständnis Dritter unvermittelt in Anfeindung oder Diskreditierung um. In diesem Sinne danke ich allen Mitgliedern des Forum VERA, die sich dieser unpopulären, aber wichtigen Aufgabe angenommen haben!

Matthias Knill

matthias.knill@konsulenten.ch

 

 

Wer und was macht eigentlich ein Image?

In einer aufwändigen Gesellschaftsstudie wird untersucht, wie sich die Wahrnehmung einer Region verändert, falls ein Tiefenlager realisiert wird. Dies erscheint insofern wichtig, als dass negative Auswirkungen auf den Absatz  lokaler Produkte oder Immobilienpreise angemessen kompensiert werden sollten. Spannender und wichtiger als die Darstellung der Veränderung ist jedoch die Klärung der Frage, wer und was das Image beeinflusst und wie negative Einflüsse reduziert oder sogar verhindert werden können. Dazu einige Gedankenanstösse.

Das Image bezeichnet grundsätzlich das innere Gesamt- und Stimmungsbild bzw. den Gesamteindruck, den eine Mehrzahl von Menschen von einem Meinungsgegenstand hat. Dazu zählen auch Regionen oder Produkte. Dieser Gesamteindruck muss nicht objektiv richtig sein. Gleichwohl beeinflusst oder steuert er das Verhalten der Menschen.

Ein Image entsteht über Kommunikation. Im Wesentlichen sind es folgende Akteure, welche bezüglich der Entsorgung der radioaktiven Abfälle das Image steuern und direkt oder indirekt auch für die Wirkung verantwortlich zeichnen:

  • Gesellschaft: sie verursacht die Anfälle, welche heute entsorgt werden müssen
  • Kernkraftwerke, Kantone, Spitäler: sie betreiben Anlagen, welche diese Abfälle verursachen
  • Nagra: sie hat gesetzlich den Auftrag, die Abfälle sachgerecht zu entsorgen
  • Behörden: sie kontrollieren, stellen die Rahmenbedingungen und den Prozess sicher
  • Interessengruppe: sie setzen sich beispielsweise für oder gegen eine Tiefenlagerung der Abfälle ein
  • Multiplikatoren, Medien: sie transportieren die Inhalte, Absichten, Meinungen oder Ereignisse.

Die Handlung aller Akteure beeinflusst das Image – in positiver wie auch in negativer Weise.
Es erscheint  offensichtlich, durch welche Ereignisse ein negatives Image aufgebaut wird. Unruhen, Demonstrationen oder beispielsweise die gezielte Darstellung von unrealistischen Horrorszenarien dienen möglicherweise einer Mobilisierung des Widerstanden, dem Image einer Region dienen sie jedoch keinesfalls.

Sicherheit steht an erster Stelle. Hier besteht ein breiter Konsens. Mit zunehmender Konkretisierung eines Tiefenlagers sollten wir uns aber auch Gedanken zu den Auswirkungen in der Wahrnehmung einer Region und dessen Produkten, Dienstleistungen und Werten machen. Jeder Akteur im Verfahren sollte sich dabei bewusst sein, welche Verantwortung er bezüglich der Image-Komponente trägt. 

 

Hans Ulrich Schmid

schmidhs@yahoo.com

 

 

Beeinflussen die Abgeltungszahlungen die Sicherheit eines geologischen Tiefenlagers?

Bei einer Realisierung eines geologischen Tiefenlagers soll die betroffene Standortregion entschädigt werden. Aktuell werden in der UG Zusammenarbeit die ersten Überlegungen gemacht, wie die Verhandlungen bezüglich dieser Abgeltungen geführt werden sollen. Es stellt sich dabei auch die Frage, wie solche Entschädigungen die Sicherheit eines Tiefenlagers beeinflusst.

Grundsätzlich falsch wären Abgeltungszahlungen, wenn solche als Druckmittel von Standortgemeinden, -regionen für die Erstellung eines Endlagers eingefordert werden könnten.

Da im Sachplanverfahren jedoch eine Abgeltungsentschädigung auf freiwilliger bzw. vertraglicher Basis vorgesehen ist, entfällt die Variante ‚Druckmittel‘.

Im Sachplan geologisches Tiefenlager ist folgender Ablaufprozess festgelegt:

  • Als verbindlicher Teil von Etappe 3 des Standortauswahlverfahrens sieht der SGT die Aushandlung von Abgeltungen und Kompensationsmassnahmen, wobei dieser auch die frühzeitige Erfassung von positiven und negativen Auswirkungen eines Tiefenlagerssicherstellt.
  • Dabei ist der Aushandlungsprozess in einem Leitfaden bis Ende der 2. Etappe unter Federführung des BFE mit Einbezug der Standortkantone, -regionen sowie -gemeinden und den Entsorgungspflichtigen zu regeln.
  • In der 3. Etappe werden alsdann die Höhe der Abgeltungen / Kompensationszahlungen, der Verwendungszweck und der Zahlungsmodus ausgehandelt und zwischen den Vertragspartnern geregelt.
  • Abgeltungen sind von den Entsorgungspflichtigen erst nach Vorliegen einer rechtskräftigen Rahmenbewilligung zu leisten.

Eine Abgeltungszahlung / Kompensationsmassnahmen an die Standortgemeinden, -regionen und -kantone beurteile ich als berechtigt, da der Standortentscheid und die Abgeltungen in zwei voneinander getrennten und unabhängigen Verfahren ablaufen. 

  • dabei die Standortgemeinden, -regionen und -kantone wohl über ein Mitspracherecht aber keine Entscheidungskompetenz (liegt beim Parlament bzw. den Stimmbürgern und Stimmbürgerinnen) verfügen.
  • diese somit den (mittels Parlaments- oder Volksentscheid) festgelegten zukünftigen Standort eines Tiefenlagers zu erdulden haben und
  • deshalb - trotz Abgeltungen - gar nicht beeinflussbar sind; ein Tiefenlager aber im Sinne einer möglichst sicheren Entsorgung von radioaktiven Abfällen akzeptieren.
  • negative Auswirkungen (aus Sicht der Atomkritiker auch stets hervorgehoben und betont) mindestens teilweise finanziell zu entschädigen sind.
  • dies bereits heute bei den bestehenden nuklearen Infrastrukturanlagen in der Schweiz der Fall ist (AKW’s, ZWILAG) und somit keine Präjudiz darstellt.
  • auch die Wasserkraftwerkbetreiber den Standortgemeinden / -regionen namhafte jährliche Konzessionsgebühren bezahlen.

 

Monika May

monika-may@bluewin.ch

Hintergrundinformationen für Frühaufsteher

Man sieht sie nicht, man hört sie nicht, man riecht sie nicht und trotzdem gibt es sie: Radioaktivität. Oft geht vergessen, dass wir radioaktiver Strahlung tagtäglich ausgesetzt sind. Grund genug, sich über die Grundlagen dieses physikalischen Phänomens durch Experten informieren zu lassen.

15 Personen aus der Regionalkonferenz ZNO standen am Samstagmorgen, den 29. Oktober 2016 frühmorgens auf, um sich an  einem Ausbildungsmodul  des Bundesamtes für Energie in Würenlingen über das Phänomen und die Wirkung von Radioaktivität und ionisierender Strahlung informieren zu lassen. Die Tatsache, dass mehr als die Hälfte der Teilnehmenden beim Forum Vera aktiv sind, machte deutlich, wie stark sich unsere Mitglieder für die wissenschaftlichen Grundlagen interessieren.

Mittlere Strahlenbelastung

Radioaktivität ist eine natürliche Eigenschaft instabiler Atomkerne, sich spontan unter Energieabgabe in andere Atomkerne geringerer Energie umzuwandeln bis ein stabiler Zustand erreicht ist. Die freiwerdende Energie wird als ionisierende Strahlung abgegeben, so die Ausführungen der Referenten. Die Experten erklärten, dass die Auswirkungen auf unseren Körper stark von der Dosis abhängig sind.

Die Mitarbeitenden des PSI verstand es, das komplexe Thema einfach, kurzweilig und verständlich darzustellen und aufzuzeigen, welche Zusammenhänge zwischen den Strahlungsarten und den Auswirkungen auf Mensch und Umwelt bestehen.

Nach einer gut strukturierten Einführung in die Thematik demonstrierte Guido Kühne , Physiker, Schulleiter und Fachlehrer Kernanlagen, in einer Nebelkammer, wie sich Radioaktivität sichtbar machen lässt. Eindrücklich und plastisch wurde dargestellt, wie sich die unsichtbare ionisierende Strahlung ausbreitet.

In einer zweiten Gruppenarbeit unter Leitung von Barbara Roth, Medizinisch-Technische Radiologie Assistentin und Fachlehrerin für Strahlenschutz am PSI,  erlebten die Teilnehmenden an unterschiedlichen Experimenten, wie Alpha-, Beta- oder Gamma-Strahlen wirken und wie sie sich abschirmen lassen.

Radioaktivität – sei sie natürlich oder künstlich - darf nicht verharmlost werden. Wir müssen jedoch lernen, mit ihr umzugehen, und beispielsweise auch Grenzwerte - welche nota bene bei einer medizinischen Strahlenbehandlung kaum eine Rolle spielen - richtig einzuordnen.

Die Teilnehmenden der Informationsveranstaltung konnten viel von diesem Schulungsmodul mitnehmen. Das Frühaufstehen hat sich auf jeden Fall gelohnt. 

Peter Stoll

stoll.peter@bluewin.ch

Die Rolle der Standortgemeinden in der Etappe 3

In der Etappe 3 wird es konkret. Es geht um die Ausgestaltung der Infrastrukturanlagen und Abgeltungen. Damit kommt den Infrastrukturgemeinden in den Standortgebieten einen wichtige Rolle zu. Peter Stoll, Gemeindepräsident von Kleinandelfingen und Mitglied des Forum Opalinus, beatwortet drei Fragen:

 

Peter Stoll, was genau ist die Aufgabe des Forum Opalinus?

Das Forum Opalinus als Arbeitsgruppe des Gemeindepräsidentenverband Bezirk Andelfingen besteht aus den Infrastrukturgemeinden Benken, Dachsen, Flurlingen, Laufen-Uhwiesen, Marthalen, Rheinau und Trüllikon. Die im Forum Opalinus vertretenen Gemeinderäte befassen sich im laufenden Prozess im Sachplan geologisches Tiefenlager vor allem mit aktuellen Themen, Entscheiden und Vernehmlassungen, welche die politischen Gemeinden des Zürcher Weinlandes betreffen. Das Forum stellt die direkte Mitsprache der Gemeinden als dritte Ebene im Staat sicher und vertritt dabei die politischen Interessen der betroffenen Gemeinden des Zürcher Weinlandes.

 

Was sind die wesentlichen Herausforderungen der kommunalen Behörden?

Sollte ein Tiefenlager im Zürcher Weinland realisiert werden, müssen die politischen Gemeinden die Begleitung des über mehrere Generationen dauernden Projektes mit Ihrer Kontinuität sicherstellen. Die direkt betroffenen Standortgemeinden (Infrastrukturgemeinden) müssen deshalb als politisch legitimierte Behörden zu den anstehenden Aufgaben in der 3. Etappe im Lead sein. Darum soll die Organisation und Führung der Regionalen Partizipation für die Etappe 3 entsprechend angepasst werden. Die Einforderung der Mitwirkung beim Bundesamt für Energie stellt sich diesbezüglich jedoch als grosse Herausforderung dar.

 

Welche Aufgaben übernehmen die Gemeinden in der Etappe 3?

Die Gemeinden im Standortgebiet werden in der 3. Etappe in vielen Bereichen im Bewilligungsprozess eingebunden sein, haben die Möglichkeit Beschlüsse zu fassen sowie Auflagen zu fordern und auszusprechen. Sie übernehmen in der Etappe 3 zusätzliche Aufgaben bei der Konkretisierung der Lagerprojekte wie beispielsweise der Ausgestaltung und Anordnung der Oberflächenanlagen oder der Optimierung und Ausrichtung des Tiefenlagers aus regionaler Sicht. Zudem kümmern sie sich um die regionale Entwicklung im Standortgebiet, die Begleitung der Tiefenbohrungen und Quartär- und Grundwasseruntersuchungen. Es geht aber auch um die konkrete Ausgestaltung der OFA, Transporte, Deponien oder Schachtkopfanlagen. Wichtig sind auch die Verhandlungen über allfällige Abgeltungen sowie die Sicherstellung der Informations- und Anlaufstelle als erster Ansprechpartner für die lokale Bevölkerung.

Bewilligungen können nur von staatlichen Körperschaften mit demokratischer Legitimation erteilt werden. Die kommunalen Behörden haben zudem gegenüber der Öffentlichkeit einen Informationsauftrag und müssen die notwendigen Kommunikationsaufgaben übernehmen.

 

Andrea Salce

andrea.salce@gmail.com

Wie gefährlich ist Radioaktivität aus dem Tiefenlager?

Im Rahmen der Herbstveranstaltung der Regionalgruppe Nordost vom 4.11.2016, traf sich eine erfreulicherweise grosse Schar von Gästen auf der Museumsinsel in Rheinau.

Nach einer kurzen Einleitung vom Dr. Matthias Knill (der für Christian Heydecker als Gastgeber eingesprungen ist) waren alle gespannt mehr über die Musemsinsel zu erfahren. Dies, wie Matthias Knill selbst zugeben musste, weil selbst er (und die meisten anderen Gäste) trotz der geographischen Nähe diese seit dem umfassenden Umbau nicht mehr besucht hatten. Also beste Voraussetzungen für aufmerksame Zuhörer.

 Vortrag Insel 1

 

Und diese wurden auch nicht enttäuscht, denn mit Werner Senn konnte ein Ausgewiesener Fachmann und Kenner der Klosterinsel und der Geschichte Rheinaus gewonnen werden.

Im Rahmen einer unterhaltsamen Einführung erhielten die Gäste einen Einblick in die Geschichte der Klosterinsel. Auf dem anschliessenden Rundgang ging der zudem auf die architekturhistorische Entwicklung der Kirche und der Klosterbauten ein.

 Vortrag Insel 2

Schon beim Eintritt in den Eingangsbereich wurde aber allen Gäste klar, dass hier mehr als nur eine Pinsel-Renovation vorgenommen wurde. Diese wird einem auch klar, wenn man die modern eingerichteten Hotelzimmer für die Musiker sieht. Erst recht wird es einem aber klar, wenn man die insgesamt 14! Proberäume sieht, die nicht nur stilvoll sind, sondern auch nach professionellen akustischen Ansprüchen genügen.

 

Fachvortrag von Dr. Walter Rüegg

Nach dem kulturellen Teil waren die Gäste dann aber sehr gespannt auf den Fachvortrag von Herrn Dr. Walter Rüegg, Kernphysiker und ehemaliger Chefphysiker der Schweizer Armee. Geht im doch der Ruf voraus, nicht nur über ein langjähriges, fundiertes Wissen in Sachen Kernphysik zu verfügen, sondern auch ein äussert unterhaltsamer und spannender Redner zu sein.

Wie gefährlich ist Radioaktivität aus dem Tiefenlager? Die Frage interessiert nicht nur die Experten, sondern auch zahlreiche Personen in den potenziellen Standortregionen und nicht zuletzt die Gäste im Raum.

 

 Ruegg

Dr. Walter Rüegg schaffte es dann, einen äusserst interessanten, und auch für Zuhörer ohne Physik-Studium, nachvollziehbaren Spannungsbogen aufzubauen, der die Gefahren eines Tiefenlagers in Relation zu anderen Gefahren aus dem Alltag, aber auch Gefahren im Zusammengang mit Radioaktivität im Allgemeinen und dessen Umgang in einem Tiefenlager zu setzen.