Felsen

Newsletter 3/2016

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Christian Heydecker

heydecker@heydecker-tektas.ch

Weiter arbeiten statt innehalten

Wir stehen vor der dritten und damit letzten Etappe im Sachplanverfahren. Langsam aber sicher nähern wir uns also dem Zielstrich, der Bestimmung des besten und sichersten Standortes für ein Tiefenlager für radioaktive Abfälle.

Es ist sicher richtig, wenn wir uns für diesen Prozess die nötige Zeit nehmen. Verzögerungen im Verfahren erhöhen aber nicht per se die Sicherheit. Flüchtlingskrise, Krim-Annexion, Brexit, türkischer Putschversuch und terroristische Anschläge stehen als aktuelles Sinnbild für politische Unsicherheit und rasche Veränderung in Europa. Ein auch zukünftig befriedetes Europa ist also kein Selbstläufer. Eine planmässige, zeitnahe Lösung des Entsorgungsproblems ist daher Pflicht für unsere Generation. In der dritten Etappe werden die Partizipationsgremien wiederum sehr gefordert sein. Das kontinuierlich aufgebaute Wissen wird notwendig sein, um die kommenden Herausforderungen zu meistern: "Wie machen wir's, falls es kommt?"

Es werden detaillierte Planungen in den betroffenen Regionen nötig sein, ohne aber zu wissen, in welcher Region das Tiefenlager dann letztlich zu liegen kommt. Eine heikle Aufgabe, bei deren Bewältigung das Forum VERA seinen konstruktiven Beitrag leisten wird.

 

Matthias Knill

matthias.knill@konsulenten.ch

 

 

Stein, Wein und Konrad

Das Weingut Schloss Goldenberg war für die 40 Mitglieder des Forum VERA aus der Region Schaffhausen, dem Zürcher Weinland und dem Aargau ein idealer Gastort für die diesjährige Sommerveranstaltung. Christian Heydecker, Vorstandsmitglied des Forum Vera, begrüsste alle gewohnt humorvoll.

 

 

Arthur Junkert, Vertreter des Bundesamtes für Strahlenschutz (D), zeigte in einem Referat den Stand des Entsorgungsprogramms in Deutschland auf. Seine Ausführungen machten deutlich, welche Unterschiede zum Schweizer Verfahren bestehen.

Bei den hochaktiven Abfälle, resp. den abgebrannten Brennelementen aus den Kernkraftwerken, steht Deutschland wieder auf Feld 1. Die Zukunft von Gorleben ist ungewiss. Ein breit angelegtes Auswahlverfahren wurde erst jüngst gestartet und bereits wird spekuliert, dass eine Lösung erst in rund 100 Jahren realisiert werden kann.

Bezüglich schwach- und mittelaktiven Abfällen stellt die Umnutzung von alten Bergwerken die Verantwortlichen vor gössere Herausforderungen, als ursprünglich angenommen. Dies gilt für Morsleben, wo die Bewilligung für einen Verschluss noch ansteht aber auch  für die Schachtanlage Asse II, bei der ein Bergungskonzept erarbeitet wird.

Ganz anders stellt sich die Situation beim Endlager Schacht Konrad dar. Die Umsetzung schreitet hier zügig voran. Aktuell werden die Einlagerungskammern aufgefahren. Die Oberflächenablagen des Schachtes 2, welcher zur Einlagerung gebraucht wird, sollen bereits ab 2018 zur Verfügung stehen. Die rund 300000 m3 schwach- und mittelaktiver Abfälle aus Deutschland sollen nach der Stilllegung und dem Rückbau aller Kernkraftwerke bis 2060 nicht rückholbar eingelagert werden. 

Das Verfahren, welches zur Wahl dieses ehemaligen Eisenbergwerks führte, basierte im Gegensatz zu den hochaktiven Abfällen nicht auf einem Standortauswahlverfahren, sondern einem Vorschlag der Gewerkschaften an die Politik.

Der informative Vortrag von Arthur Junkert machte klar, dass sich unser Entsorgungsprogramm deutlich von jenem unserer nördlichen Nachbarn unterscheidet. Während in der Schweiz die Programme für schwach- und mittelaktive Abfälle abgestimmt mit dem Programm für hochaktive Abfälle verlaufen, beschreitet Deutschland für die beiden Abfallkategorien ganz unterschiedliche Wege.  

Eine perfekte Überleitung zum gemütlichen Rahmenprogramm ermöglichte dann Dr. Rainer Kündig, Geologe an der Geotechnischen Kommission und Mitautor des Buches „Stein und Wein“. Autoren mit verschiedenen Hintergründen – Winzerinnen und Winzer, Önologinnen und Önologen, Geologinnen und Geologen – arbeiten zusammen mit ihm am diesem spannenden Buch, welches demnächst erscheinen wird. Die grundsätzliche Frage „Wie beeinflusst der Untergrund, das Terroir, den Wein?“ wird dabei aus ganz unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet.
So enthält die Publikation auch eine neuartige „geo-önologische“ Karte der Schweiz mit den 12 wesentlichen Gesteinen, aber auch „geo-önologische“ Regionen. Das Buch bildet eine spannende und abwechslungsreiche Brücke von Themen aus der Geologie zum Weinbau.

Christian Heydecker, Dr. Rainer Kündig, ETH Zürich sowie Corina Klein und Arthur Junkert vom Bundesamt für Strahlenschutz.

Fritz Krebs

krebslandolt@bluewin.ch

 

 

Sachfragen zu Technischen Forum Sicherheit

Haben SIE technische Sachfragen zur Entsorgung des atomaren Abfalls oder zum „Sachplan geologische Tiefenlager“, dann wenden sie sich doch an das Technische Forum Sicherheit (TFS).
Im Rahmen des Sachplans geologische Tiefenlager wurde das vom ENSI geleitete Technische Forum Sicherheit (TFS) ins Leben gerufen. Im TFS werden technische und wissenschaftliche Fragen aus der Bevölkerung, von Gemeinden, Standortregionen, Organisationen, Kantonen und Gemeinwesen betroffener Nachbarstaaten diskutiert und beantwortet.
Das TFS besteht aus Fachpersonen der verfahrensleiteten Behörde (BFE), der überprüfenden bzw. unterstützenden Behörden (ENSI, swisstopo), von Kommissionen (KNS, EGT), der NAGRA, der Kantone, der Nachbarländer, Organisationen sowie Vertretern aus den Standortregionen/Regionalkonferenzen.
Das TFS tritt alle drei bis vier Monate oder nach Bedarf zusammen. Im Durchschnitt nehmen 30 bis 35 Personen teil.
Das TFS ist eine Informationsplattform für die Bevölkerung. Die Antworten widerspiegeln die Auffassungen der antwortenden Organisationen und entsprechen dem Wissensstand vom Zeitpunkt der Erstellung. Das TFS kommentiert als Gremium und ergänzt bei Bedarf die fachliche Korrektheit und die Verständlichkeit. Beantwortete und verabschiedete Antworten werden nicht aktualisiert, es sei denn, ein Fragesteller greift die Frage neu auf. Das TFS ist nicht befugt verfahrenstechnische, rechtliche und politische Fragen zu beantworten.

 

Ablauf bei Eingang einer neuen Frage 

Die Fragen und Antworten sind jedermann zugänglich und werden unter www.technischesforum.ch publiziert. Zur Zeit sind 111 beantwortete und 24 noch in Bearbeitung stehende Fragen aufgeführt.


Schwerpunkt-Themen

- Ressourcen- und NutzungskonflikteRückholbarkeit
- Grundwasser
- Strahlendosis
- Geologie/Tektonik/ Erosion
- Bautechnik ( Rampe versus Schacht, alt. Behältermaterialien usw.)
- Grundwasser/ Wasserschutz der Fliessgewässer
- Forschungsaktivitäten ( Felslabor Mont Terri)
- Folgerungen/Lehren aus Vorfällen im Ausland

 

Einbindung der Regionalkonferenz und seiner Delegierten im TFS

Gemäss Sachplan bildet die Regionalkonferenz die betroffene Bevölkerung ab. Von der Fachgruppe Sicherheit der Regionalkonferenz Zürich Nordost (ZNO) wurden zwei Vertreter in das TFS-Gremium delegiert. Diese Vertretung ermöglicht es, dass die Sicht der regionalen Bevölkerung hörbar/berücksichtigt wird (Perspektive des Laien!). Die Delegierten informieren die Fachgruppe Sicherheit und bei Bedarf die Regionalkonferenz.


Persönliche Würdigung der geleisteten Arbeit

Als einer der Delegierten von ZNO an das TFS überzeugt mich das grosse Engagement der Mitglieder des TFS. Themen, Fragen und Antworten werden ausführlich diskutiert und kritisch geprüft. Die Anliegen aller Beteiligten werden ernst genommen. Die Fragen und daraus resultierenden Antworten mit den Fachdiskussionen tragen dazu bei, dass die Sicherheit der einzelnen Teilaspekte im Projekt Tiefenlager immer wieder überprüft werden und somit dem Bestreben nach höchster Sicherheit genügen. 

Monika May

monika-may@bluewin.ch

Mit Strom das Grundwasser erkunden

Zahlreiche Mitglieder der Fachgruppe Oberflächenanlage und der Leitungsgruppe ZNO liessen sich am 22. Juli 2016 über die laufenden Untersuchungen zur Abklärungen der Grundwassersituation im Zürcher Weinland informieren.

Sicherheit hat oberste Priorität. Dies gilt auch für das wertvolle Grundwasser in unserer Region. Es erscheint deshalb richtig, die Fragen nach den Vorkommen, der Tiefenlage oder der Flussrichtungen mit modernen Messmethoden zu klären. Es ist aber auch legitim zu hinterfragen, welche Bedeutung diese Abklärungen im Zusammenhang mit einem möglichen Tiefenlager schlussendlich haben.

Radioaktive Abfälle werden im verfestigten Zustand transportiert, um- und eingelagert. Es braucht viel Fantasie, ein Szenario zu entwickeln, wie diese Stoffe ins Grundwasser gelangen. Ein solches Ereignis kann bei Industrieanlagen, Tanklagern oder Flughäfen – welche nota bene in vergleichbaren Grundwasserzonen liegen – nicht ausgeschlossen werden.Relativ einfach vorstellbar ist demgegenüber die Tatsache, dass strategische Grundwässer in den topografischen Vertiefungen vorkommen.

Wer aus politischen oder ideologischen Überlegungen eine Oberflächenanlage auf eine Erhöhung stellen will, wird somit alles daran setzen, Grundwassergebiete bei einem Tiefenlager als heilig zu deklarieren. Dass durch die gute Einsehbarkeit damit der Widerstand gegen eine Anlage steigt, ist naheliegend.Das Thema Grundwasser wurde von den kantonalen Behörden aufs Parkett gebracht und wird seither dementsprechend bearbeitet.

Es wäre wünschenswert, dass die Verantwortlichen des Kantons im Interesse der regionalen Bevölkerung zu gegebener Zeit auch angemessen auf die Aspekte des Landschaftsbildes eingehen und politische und ideologische Haltungen und Vorstellungen in den Hintergrund treten.

Projektleiter Tobias Vogt von der Nagra erklärt den Mitgliedern der Fach- und Leitungsgruppe die Messmethode

 

 

Geologe Lutz Capeller mit dem Multielektroden-Messgerät, welches eine „geoelektrische Tomographie“ des Untergrundes ermöglicht

 

 

 

Veranstaltungen 2016

4./5.11.2016: 20. Weiterbildungsseminar des Forum VERA

Energie – Kreisläufe – Nachhaltigkeit: Wie gehen wir mit den Abfällen aus der Energiegewinnung um?

Freitag, 4. und Samstag, 5. November 2016

Schloss Böttstein AG