Felsen

Newsletter 1/2020

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Christian Heydecker

Vizepräsident Forum VERA

heydecker@heydecker-tektas.ch

Vorausschauen zahlt sich aus

Zu wenig Test-Kits, zu wenig Betten auf den Intensiv-Stationen unserer Spitäler, zu wenig Pflegepersonal, zu wenig Beatmungsgeräte und und und. Die öffentliche Kritik an den politischen Behörden nimmt zu, in der Vergangenheit zu wenig vorausschauend gehandelt zu haben, zu wenig gelernt zu haben aus den vergangen Pandemien (SARS, Schweinegrippe). Klar, rückblickend ist man immer schlauer. Und wer ohne Fehl und Tadel sei, der werfe den ersten Stein.

 

In der Vergangenheit Versäumtes können wir nicht nachträglich korrigieren. Wir können aber aus solchen Situationen für die Zukunft lernen. Und das heisst: Vorsorgen. Und handeln, besonnen handeln, nicht auf später verschieben. Auch nicht auf das Bessere warten, denn bekanntermassen ist ja das Bessere der ärgste Feind des Guten. Für die Entsorgung der von uns produzierten radioaktiven Abfälle bedeutet dies: Vorsorgen. Und heute handeln. Wer glaubt, wir würden morgen noch gescheiter werden und dann eine noch bessere Lösung für die Entsorgung finden, der sorgt nicht vor, der versteckt sich vor der Übernahme von Verantwortung.

 

Die Corona-Krise hat uns aber noch etwas anderes ganz drastisch vor Augen geführt: Wie verletzlich unsere globalisierte Gesellschaft doch ist. Und wie unbesonnen grosse Teile unserer Bevölkerung auf eine solche Gefährdung reagieren. Hamsterkäufe von WC-Papier lassen grüssen. Gerade weil unsere Gesellschaft so verletzlich ist und zuweilen völlig irrational handeln kann, ist die Tiefenlagerung der Königsweg bei der Entsorgung von radioaktiven Abfällen: Objektiv gesehen stellt nämlich der Mensch das grösste Risiko bei dieser Problemlösung dar. Die Geologie dagegen ist viel berechenbarer als der Mensch. Die Tiefenlagerung stellt daher ein Langfrist-Konzept dar, mit welchem unserer Generation heute Verantwortung übernimmt und Vorsorge trifft für eine sichere Zukunft der kommenden Generationen.

Matthias Knill

Mitglied Forum Vera und Vorstand Regionalkonferenz ZNO

matthias.knill@konsulenten.ch

«Vorsorgeprinzip»: wenn Begriffe missbraucht werden

Es gibt sie, die Schlagworte, welche gezielt ins Spiel gebracht werden, um politische Ziele zu erreichen. Der Begriff «Strategisches Grundwasser» wurde gekonnt im laufenden Verfahren lanciert, um Standorte einer Oberflächenanlage auszuschliessen. Jüngstes Beispiel ist die Positionierung des Wortes «Vorsorgeprinzip». Es wird von Kritikern eines Tiefenlagers zunehmend dazu missbraucht, um eine Verpackungsanlage in unserer Region zu verhindern. Dies torpediert das Ziel einer möglichst sicheren und guten Gesamtlösung.


Das Vorsorgeprinzip ist ein Prinzip der Umwelt- und Gesundheitspolitik. Danach sollen die denkbaren Belastungen bzw. Schäden für die Umwelt bzw. die menschliche Gesundheit im Voraus (trotz unvollständiger Wissensbasis) vermieden oder weitestgehend verringert werden. Es dient damit einer Risiko- bzw. Gefahrenvorsorge.


Grundwasser und Verpackungsanlage: eine Interessenabwägung
 

Corona müsste uns eigentlich allen bewusst gemacht haben, wie rasch sich die Welt ändern kann. Ebenso offensichtlich müsste erscheinen, wie wichtig langfristige Lösungen sind. Die Lagerung von radioaktiven Abfällen in geologischen Formationen mit einer gesicherten Rückholbarkeit ermöglicht alle notwendigen Optionen. Das Konzept der Tiefenlagerung verkörpert somit in idealer Form das Vorsorgeprinzip. Der Begriff Vorsorgeprinzip wird neuerdings jedoch verbreitet auch in einem anderen Kontext verwendet. Er soll argumentativ dazu herhalten, eine Verpackungsanlage am Ort des Tiefenlagers zu verhindern. 


Das eigentliche Ziel im Auge behalten
 

Der Wunsch, eine Verpackungsanlage einer anderen Region zuzuschieben, ist nachvollziehbar. Eigeninteressen sind legitim, sollten aber als solche deklariert werden. Eine Verklausulierung ist nicht zielführend und eröffnet schlussendlich einfach ein unnötiges Schwarz-Peter-Spiel. Vielleicht bietet die noch einige Zeit andauernde Coronakrise und die damit verbundene Abkühlung des Verfahrens auch die Chance zur Rückbesinnung auf die wesentlichen Punkte und unserer Aufgabe: die Erarbeitung der besten, respektive der möglichst sicheren und umweltverträglichen Gesamtlösung, ganz nach der eigentlichen Idee des Vorsorgeprinzips. 

 

 

Besuch Einhausung Schwammendingen

Der Bau eines Tiefenlagers für radioaktive Abfälle ist ein mehrjähriges Grossprojekt. Verschiedene konkrete Aufgaben wie Zu- und Abtransport von Baustoffen, Versorgung mit Wasser und Elektrizität, Verkehrsführung oder die Sicherheitsvorkehrungen für das Personal lassen sich mit heutigen Projekten vergleichen.


Wir besuchten am 25. November 2019 die Einhausung Schwamendingen, eines der komplexesten und anspruchsvollsten Bauprojekte der Schweiz und verschafften uns einen Überblick über die vielseitigen Aspekte einer Grossbaustelle.


Daniel Hardegger, Leiter Spezielle Projekte bei der Implenia Schweiz ermöglichte uns einen Blick hinter die Kulissen und erklärte, welche Aufgaben bei einem Grossprojekt bautechnisch und baulogistisch gemeistert werden müssen.


 

 

Monika May

Mitglied Forum Vera Fachgruppe OFI Regionalkonferenz ZNO

monika-may@bluewin.ch

Plädoyer für eine bürgernahe Partizipation

Die Schere öffnet sich. Die im Verfahren eingebundenen Personen haben gegenüber der Bevölkerung in den letzten Jahren zunehmend Wissen aufgebaut. Zudem werden immer mehr professionelle Akteure eingebunden. Was grundsätzlich positiv erscheint, birgt auch Risiken: die Regionalkonferenz droht mit zunehmender Professionalisierung die Bodenhaftung zu verlieren. 


Im Verlaufe der dritten Etappe des Sachplanverfahrens wurden in den Fachgremien des Sachplanverfahrens zunehmend Experten und professionelle Fachkräfte beigezogen. Gutachten, Expertenberichte oder «onepager» beschäftigen duzende von Spezialisten. Jüngstes Beispiel sind die von den Kantonen in Auftrag gegebenen Studien zu den Themen Grundwasser und Verpackungsanlage. Die Mitglieder der Regionalkonferenz sind zunehmend gefordert, solche Expertenbericht zu beurteilen. Eine Herkulesaufgabe. Zudem erscheint es fragwürdig, ob eine solche Aufgabe überhaupt in den Aufgabenbereich Sache der Regionalkonferenz gehört.


Wiederholt wurde vorgebracht, dass die Regionalkonferenz aus der Position der Laien argumentieren soll. Dies wird zunehmend torpediert. Professionelle Politiker und Vertreter der Verwaltung nehmen verstärkt Einfluss im Verfahren. Sie üben ihre politischen Aufträge mit professioneller Unterstützung aus. Dossiers werden von ihren Verwaltungen vorbereitet. 


Mit zunehmender Durchdringung von Profis in der Regionalkonferenz droht das zu geschehen, was die gleichen Exponenten einst den Entsorgungspflichtigen, den Aufsichtsbehörden und dem Bund vorgeworfen haben: es fehlt das Verständnis für die Basis und die Bevölkerung. 


Fritz Krebs

Mitglied Forum Vera und Fachgruppe Sicherheit Regionalkonferenz ZNO

krebslandolt@bluewin.ch

Entsorgungsnachweis und Sicherheitsnachweis

Ist der Entsorgungsnachweis heute noch gültig oder muss dieser erneuert werden?

Die Fachgruppe Sicherheit der Regionalkonferenz Zürich-Nordost hat sich vertieft mit dem im Kernenergiegesetz festgelegten Entsorgungsnachweis auseinandergesetzt. Dazu wurde Felix Altdorfer, Leiter Entsorgung beim ENSI, an die Sitzung im vergangenen Dezember eingeladen. Die Bitte an ihn war, das Thema aus Sicht der Kontrollbehörde zu präsentieren.


Es geht um die grundsätzliche Machbarkeit, nicht den Standort

Die Kernaussagen des Inputreferat von Herrn Altdorfer waren die folgenden: Im „Kernenergiegesetz von 2005, Art. 106 Übergangsbestimmung“ ist festgehalten: „Die Eigentümer der bestehenden Kernkraftwerke müssen innert zehn Jahren den Nachweis für die Entsorgung der anfallenden radioaktiven Abfälle erbringen.“ Der Entsorgungsnachweis ist der Nachweis über die grundsätzliche Machbarkeit der Entsorgung radioaktiver Abfälle in einer bestimmten geologischen Schicht. Er ist keine atomrechtliche Bewilligung und auch keine Standortwahl.  Dieser Nachweis für schwach und mittelaktive, aber auch hochaktive Abfälle wurde 1988 respektive 2006 erbracht und vom Bundesrat nach eingehender Prüfung anerkannt. Die Übergangsbestimmung wurde dadurch erfüllt und dadurch wirkungslos. Da sich an der grundsätzlichen Machbarkeit mit Wissensstand heute nichts geändert hat, ist eine Erneuerung des Entsorgungsnachweises nicht nötig. 


Neue Erkenntnisse werden laufend berücksichtigt

 Standortwahl, Bau, Betrieb, Überwachung und Verschluss eines geologischen Tiefenlagers ist ein über Jahrzehnte dauernder, schrittweiser Prozess. Im Rahmen des rund 10- bis 12-jährigen Auswahl- und Rahmenbewilligungsverfahren sowie den danach folgenden Bau- und Betriebsbewilligungsverfahren wird der Kenntnisstand stufenweise vertieft. Bei jedem Bewilligungsschritt braucht es einen neuen Sicherheitsnachweis, welcher durch die Kontrollbehörden und weiteren Fachstellen begutachtet und überprüft wird. Dieses Vorgehen erlaubt es, offene Fragen stufen- und zeitgerecht zu beantworten und neue Erkenntnisse zu nutzen. Diese Sicherheitsnachweise sind ein sehr wichtiger und sensibler Punkt im laufenden Gesamtverfahren „Entsorgen des Radioaktiven Abfalles“. Ihre Fragen sind: Kann das Tiefenlager sicher gebaut, betrieben und verschlossen werden? Was kann zukünftig um und in einem Tiefenlager passieren (Langzeitsicherheit)? Was sind die Auswirkungen? Sind diese Auswirkungen von Bedeutung für Mensch und Umwelt?

Auch die zentrale Frage bezüglich Umkehrpunkte wurde beantwortet: Ja es gibt sie!   

 


Quelle: ENSI

Jürg Naef

Mitglied Forum VERA Regionalkonferenz ZNO

juerg.naef@shinternet.ch

ZWILAG – Sicherheit ist auch beim Verpacken gewährt

Wer sich mit den vielfältigen Fragen über die Suche eines Standortes für die Entsorgung von radioaktiven Abfällen befasst, hatte während dieser Zeit auch Gelegenheit, das Zwischenlager (ZWILAG) in Würenlingen zu besuchen und sich von den Aufgaben ein Bild zu machen. 


Sicherheit hat erste Priorität

Dieses Credo ist und war stets ein fundamentales Anliegen des Forum VERA. Auch im Zwischenlager in Würenlingen steht die Sicherheit ganz oben auf der Anforderungsliste. Sicherheit bedeutet hier konkret, dass beispielsweise das Gebäude auf mögliche kritische Ereignisse wie Erdbeben oder einen Flugzeugabsturz ausgelegt wird. Allfällige Störfälle innerhalb der Anlage dürfen zu keiner Schädigung von Personen oder der Umwelt ausserhalb der Anlage führen. Auch kritische überprüft wird immer wieder, wie die hochaktiven Glaskokillen wie auch die ausgedienten Brennelemente, die in massiven, bis zu 140 Tonnen schweren Stahlbehältern, die gleichzeitig als Transportbehälter dienen, zwischengelagert werden müssen. Die radioaktiven Abfälle und ausgedienten Brennelemente werden per Bahn und per Lastwagen zum ZWILAG transportiert. So werden Behälter für hochaktive, verglaste Abfälle und für ausgediente Brennelemente verschiedenen Tests unterworfen, bei denen die Behälter beispielsweise einen freien Fall aus 9 Meter Höhe und einem Feuertest von mindestens 800°C überstehen müssen.

 


Umweltverträglichkeit ist sichergestellt

Bereits bei der Planung des ZWILAG und später im Umweltverträglichkeitsbericht wurden alle Auswirkungen des Zwischenlagers untersucht und dokumentiert. Dies beinhaltete auch den Ist-Zustand von Luft und Klima, Grundwasser, Oberflächengewässer, Boden, Flora und Fauna sowie Wald und Landschaft. Der Schutz vor Strahlung für Mitarbeitende und Besucher konnte bis heute immer bestätigt werden.  Bei einem Besuch des ZWILAG können diese Schutzmassnahmen «life» erlebt werden. Die radioaktive Belastung lag immer deutlich unter dem gesetzlichen Grenzwert von 20mSv pro Person und Jahr.

 

 

Strahlenschutz wird eingehalten

Das untere Aaretal ist radiologisch eines der am intensivsten überwachten Gebiet in der Schweiz. Die Gebäude sind aus starkem Stahlbeton gebraut und auch hier gehört die permanente Überwachung und Wartung der Anlage zur Gewährleistung des sicheren Betriebes. Das ENSI – das Eidgenössische Nuklear-Sicherheitsinspektorat beaufsichtigt die Sicherheit.
 

 

Umladezelle im ZWILAG bewährt sich

Das Umladen im ZWILAG wurde notwendig, da Brennelemente vom stillgelegten KKW Mühleberg aus technischen Gründen in kleinen Shuttle-Behältern transportiert werden mussten. Erst im Zwischenlager werden die Brennelemente in grosse, rund 130 t schwere Behälter umgeladen. Danach werden die befüllten Tanklager-Behälter zwischengelagert. Wenn notwendig, können in dieser Zelle auch Wartungsarbeiten an den TLB gemacht werden. Die Handhabungen in der heissen Zelle werden ausschliesslich fernbedient ausgeführt. Das Bedienpersonal kann alle Vorgänge über Kameras und gleichzeitig auch mit direktem Sichtkontakt durch Bleiglasfenster steuern. Ein Engagement auch in diesen Fragen ist eine der wichtigsten Themen, welches im Forum VERA immer wieder diskutiert wird. Wir informieren uns auch für die aktuellen und neusten Erkenntnissen die sowohl Transport, Verpackung und Lagerung betreffen. 

Vorankündigungen

Sommerexkursion 2020: 

Aufgrund er aktuelle Pandemie verzichten wir vorerst auf die Festsetzung eines Datums. Wir melden uns, sobald sich die Situation stabilisiert hat und wünschen allen Leserinnen und Lesern beste Gesundheit.