Felsen

Newsletter 1/2016

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Christian Heydecker

heydecker@heydecker-tektas.ch

Fairplay, auch bei der Entsorgung

Man kann es immer nur wiederholen: Wir haben die radioaktiven Abfälle produziert, wir tragen die Verantwortung für deren sichere Entsorgung. Da ist kein Platz für ein Abschieben, da ist kein Platz für ein Aufschieben.

Kein Abschieben heisst, die Abfälle in der Schweiz entsorgen. Wer eine internationale Lösung verlangt, der will sich nur der eigenen Verantwortung entziehen. Kein Land der Welt ist bereit, die radioaktiven Abfälle der andern bei sich zu entsorgen. Wir auch nicht. Fairplay bedeutet, die Abfälle selber zu entsorgen.

Kein Aufschieben heisst, die Entsorgung heute anzugehen und nicht auf morgen zu verschieben. Wer in ferner Zukunft eine noch bessere, eine noch sicherere Lösung verspricht, der will sich nur der eigenen Verantwortung entziehen. Wir dürfen die Probleme nicht einfach unseren Nachkommen aufbürden. Fairplay bedeutet, die Entsorgung heute anzugehen.

 

Matthias Knill

matthias.knill@konsulenten.ch

 

 

Herausforderung „fair play“

Die Regionalkonferenzen erarbeiten aktuell den Schlussbericht zur Etappe 2. So auch die Regionalkonferenz ZNO.

Ein erster Entwurf des Schlussberichtes  liegt vor. An der Regionalkonferenz vom 27. August 2015 wurden die Eckwerte präsentiert.

Wir haben zum vorliegenden Entwurf des Berichtes einige grundsätzliche Anmerkungen vorgebracht. Aktuell läuft die Überarbeitung des Entwurfs. Gut so, denn es gibt noch ein grosses Verbesserungspotenzial.

 

 

Die Aufgabe richtig einordnen

Der vorliegende Bericht der  Nagra zum 2x2 Vorschlag erscheint aus Sicht eines Laien als nachvollziehbar. An verschiedenen Fachseminaren konnten Fragen geklärt werden, welche in einem ersten Entwurf des Berichtes enthalten waren. Wir dürfen gespannt sein, ob diese in einer neuen Auflage berücksichtigt wurden. 

Die Regionalkonferenz ist kein Mini-Ensi. Es besteht die Gefahr, dass durch schwer verständliche wissenschaftliche und pseudo-wissenschaftliche Aussagen sich die Schere in der Regionalkonferenz zwischen Experten – und solchen Personen, welche diese Rolle für sich in Anspruch nehmen – und den Laien öffnet. Es ist nun die Aufgabe der unabhängigen Fachbehörden, die technisch -wissenschaftlichen Kriterien kritisch zu hinterfragen. Die Regionalkonferenz sollte sich dabei auf die ihr zugeteilte Aufgabe konzentrieren. Diese ist anspruchsvoll genug.

 

Gesamtheitliche Betrachtungsweise

Überlegungen zur Optimierung der Ausgestaltung eines Tiefenlagers und der Oberflächenanlagen sind stets aus gesamtheitlicher Sicht anzustellen. Sie unterliegen stets dem Primat der Sicherheit. 

Auch aus Sicht der SÖW ist stets das Gesamtsystem zu berücksichtigen und eigennützige Optimierungen (z.B. Aufteilung  zu Lasten einer anderen Region) kritisch zu hinterfragen.

Bei Beurteilungen zur Auslegung der Umladestation oder einer Kombi-Anlage ist deshalb  eine gesamtheitliche Betrachtung zwingend. Eine politisch motivierte Lastenverteilung, welche sich nachteilig auf die Gesamtbilanz auswirken, ist gegenüber anderen möglichen Standortregionen weder gebührlich noch fair. 

 

Fachwissen einbeziehen

Beim Schweizer Entsorgungskonzept gibt es kein Kompetenzmonopol. Neben der Nagra verfügt das ENSI als unabhängige Behörde über eine Vielzahl von internen und externen Experten. 

Zusätzlich besteht auch Fachwissen  bei der KNS und den kantonale Behörden. Es ist primär ihre Aufgabe, die wissenschaftlichen und technischen Arbeiten der Nagra kritisch zu hinterfragen. Die Regionalkonferenz kann diese Arbeiten nicht übernehmen. 

 

Verweigerung und Aufschiebung dienen nicht der Sicherheit

Politisch motivierte Verweigerungen von wissenschaftlichen Untersuchungen sind für das Forum Vera nicht akzeptierbar. Nur durch zusätzliche Daten und Erkenntnisse können Fortschritte erzielt werden. Falls sich Gemeinden oder Organisationen den notwendigen Abklärungen verweigern, so tragen sie nicht zu einer sicheren Entsorgung der radioaktiven Abfälle bei.

Radioaktive Abfälle müssen sicher entsorgt werden. Dazu braucht es sorgfältige Abklärungen, für welche auch angemessene Zeitbudgets zur Verfügung gestellt werden. Eine unnötige Verzögerung dient jedoch nicht der Sicherheit, da ein langfristiger Schutz nur in einem geologischen Tiefenlager sichergestellt ist. Eine zeitnahe Realisierung eines Lagers ist deshalb zwingend erforderlich.

 

Ressourcen berücksichtigen

Mit der Schaffung eines Leitungsgruppen-Ausschuss der Professionalisierung der Regionalkonferenz steigt der Aufwand der  Miliz-Mitglieder in der Regionalkonferenz. Die Verstärkung der obersten Führungsebene durch Semi-Profis darf nicht dazu führen, dass die nicht mandatierten Mitglieder unter unnötigen Zeitdruck gesetzt werden. Die Dokumente sind einfach verständlich und bezüglich Umfang angemessen auszugestalten, damit sich die Miliz-Mitglieder der Regionalkonferenz gebührend einbringen können.

 

Trennung von politischen Forderungen

Politische Forderungen (Vetorecht, Auslandlösungen etc.) sind als Forderungen von einzelnen Gruppierungen oder Personen zu deklarieren. Das Forum Vera lehnt beispielsweise ein Vetorecht aus Sicherheitsgründen kategorisch ab. Der kürzlich gefällte Entschied der eidgenössischen Räte war vernünftig. Bei Auslandlösungen müsste gleichzeitig auch diskutiert werden, ob die Schweiz bereit wäre, radioaktive Abfälle aus dem Ausland zu importieren. Die Diskussion bezüglich Auslandlösungen und Vetorecht gehören deshalb auf die politische Bühne. 

 

Sachlichkeit im Verfahren

Der Bericht der Regionalkonferenz soll kritische Punkte beleuchten. Er sollte dabei jedoch sachlich, ausgewogen und frei von Polemik ausformuliert werden. Bewusste oder unbewusste Unterstellung oder unqualifizierte Angriffe gegenüber beteiligten Organisationen oder einzelnen Exponenten dürfen nicht akzeptiert werden. Minderheitsmeinungen, auch in den Fachgruppen, sind als solche aufzunehmen.

Ein Exponent der Leitungsgruppe hat unserem Verein öffentlich unterstellt, er habe eine Amtsgeheimnisverletzung begangen. Solche unqualifizierten und nicht haltbaren Aussagen – die wider besseres Wissen und bloss mit dem Zweck der Diffamierung erfolgen –  dienen nicht einem fairen und zielführenden Dialog und einer kritischen aber konstruktiven Auseinandersetzung mit einem wichtigen Thema unserer Gesellschaft. 

 

Transparenz

Der Schlussbericht der Regionalkonferenz basiert auf verschiedenen Quellen (LGA, Fachgruppen, Gemeinden, Experten). Das Forum Vera erwartet, dass diese Quellen offen gelegt werden. Zahlreiche Mitglieder der Regionalkonferenz arbeiten unentgeltlich an der Überarbeitung des Schlussberichtes der Regionalkonferenz. Im Sinne einer angemessenen Transparenz ist der Aufwand für Arbeiten im Auftragsverhältnis für die Erstellung des Berichtes umfassend offen zu legen.

Monika May

monika-may@bluewin.ch

 

 

1, 2 oder 3? Wie viele Felslabors braucht es?

In den vergangenen Wochen ist die Frage aufgekommen, wie viele Felslabors notwendig sind, um eine sichere Entsorgung zu gewähren. 
Das Primat der Sicherheit ist unbestritten. Bedeutet dies nun, dass alle nur möglichen Abklärungen, Untersuchungen und Forschungsarbeiten überall gemacht werden müssen, um eine möglichst solide Entsorgungslösung zu realisieren? 

 

Felslabor


Nein, einige Überlegungen dazu:

  • Ein Felslabor dient dazu, mit Abklärungen vor Ort zu testen, ob die bisher vorliegenden Resultate bestätigt werden. Die Qualitätskriterien müssen vorher definiert werden. Es geht also beim Felslabor darum, vor Ort die bereits vorhandenen wissenschaftlichen Daten noch zu ergänzen und zu bestätigen.
  • Zeitliche Verzögerungen dienen nicht der Sicherheit. Die gesellschaftliche Entwicklung ist schwierig abzuschätzen. Es ist deshalb im Interesse aller Beteiligten, eine zeitnahe Lösung zu finden, ohne dabei unnötig Zeitdruck aufzusetzen.
  • Die finanziellen Ressourcen sind nicht unendlich. Zurzeit besteht ein Finanzierungsplan, welche der Bau je eines Felslabors und eines Tiefenlagers pro Abfalltyp sicherstellt. Die vorhandenen finanziellen Mittel sollten so eingesetzt werden, dass damit schlussendlich auch eine sichere Lösung realisiert werden kann. 


Nicht eingeschlossen in diesen Überlegungen sind die sozio-ökonomischen Faktoren. Grössere Baustellen an verschiedenen Standorten dürften wohl kaum zu einer positiven Bilanz der Umweltbelastung führen. Es gilt also abzuwägen, welcher Aufwand sinnvoll und angemessen ist, um die Lösung einer wichtigen Aufgabe nicht an die nächsten Generationen weiter zu geben.

Hans Ulrich Schmid

schmidhs@yahoo.com

Keine Kompromisse bei der Sicherheit - aber auch keine unrealisierbaren/un-realistischen Forderungen

Das Forum Vera setzt sich für die sichere Entsorgung von radioaktiven Abfällen ein. Dabei steht insbesondere die Langzeitsicherheit im Vordergrund, welche nach einhelliger Meinung der Fachleute am besten im hervorragend geeigneten Wirtgestein ‚Opalinuston‘ und damit in einem Tiefenlager gegeben ist. Dabei gibt es zu bedenken, dass es bei dieser anspruchsvollen Aufgabe keine 100 %-ige Sicherheit gibt. Mit geeigneten Massnahmen ist das verbleibende Restrisiko jedoch auf ein vertretbares Minimum zu senken Diese müssen aber zwingend

  • realistisch
  • mit vernünftigem Aufwand realisierbar und
  • zeitnah umsetzbar sein. 

 

Realistisch

Die Entsorgung von radioaktiven Abfällen in einem Tiefenlager muss auf dem vorhandenen wissenschaftlichen und technischen Wissen basieren und nicht auf Uto-pien. Denn die Planungssicherheit ist nur dann sichergestellt, wenn Klarheit für die Realisierung des Projektes besteht. Dasselbe gilt für alle im Partizipationsverfahren eingebrachten Forderungen. Auf Wunschdenken jeglicher Art ist zu verzichten!


Mit vernünftigem Aufwand realisierbar

Das einmalige Generationsprojekt ‚Tiefenlager‘ wird ohne Zweifel von vielen Unwägbarkeiten beeinflusst. Dies gilt u.a. auch für den Investitionsbereich. Selbstverständlich sind dafür umfangreichere und detailliertere Untersuchungen, Abklärungen und Forschungsarbeiten erforderlich als bei einem ‚einfachen‘ Projekt. Die Gefahr, dass es dabei zu massiven Mehrausgaben kommt, ist gross bzw. real vorhanden. Deshalb ist strikte auf allen Stufen und in jeder Phase zwischen zwingender Notwendigkeit und Wunschbedarf zu unterscheiden. So ist z.B. auf die Forderung ‚zusätzliche Labors an allen anderen Standorten‘ oder aber ‚Bau eines neuen Bahntrasses für den Castortransport‘ nicht einzugehen. Denn diese führen - wie erwähnt - zu unverhältnismässigem Mehraufwand. Da der Stilllegungs- und Entsorgungsfonds für Kernanlagen nicht unerschöpflich ist, zwingt dies zu einer Prioritätensetzung! Es wäre auch nicht besonders verantwortungsvoll, die Steuerzahler in der Zukunft zur Kasse zu beten, um Löcher zu stopfen.


Zeitnah umsetzbar

Verständlicherweise sind die Bewohner einer Standortregion vom möglichen Bau eines Tiefenlagers nicht begeistert. Im Kernenergiegesetz ist die sichere Entsorgung von radioaktiven Abfällen zwingend vorgegeben. Die Abfälle der bestehenden Kernkraftwerke wie auch der Medizin und der Forschung werden derzeit aber immer noch oberirdisch - verpackt in speziellen Containments - in Zwischenlagern gelagert. Damit besteht nach wie vor ein gewisses Risiko. Der im KEG vorgegebene langfristige Schutz von Mensch und Natur vor radioaktiver Strahlung ist deshalb noch nicht gewährleistet. Dieser kann nur mit dem Bau eines Tiefenlagers sichergestellt werden. Fazit: Jede Verzögerung - aus welchen Gründen auch immer - dient nicht der Sicherheit! Ein weiteres Zuwarten/Verzögern ist ebenfalls nicht angezeigt, da die Entwicklung unserer Gesellschaft nur schwer abschätzbar ist. 

Walter Wipf

w.wipf@bluewin.ch

Fairness heisst auch, gesamtheitlich zu bewerten

 

Blick auf das ZH Weinland

Sicherheit hat bei der Entsorgung der radioaktiven Abfälle erste Priorität. Dieses Prinzip findet heute eine breite Akzeptanz. Gut so!

Bei der Suche nach einem geeigneten Ort und dem passenden Konzept braucht es aber auch Fairness.

 

Fairness bedeutet grundsätzlich anständiges Verhalten sowie eine gerechte und ehrliche Haltung gegenüber anderen Menschen. In Sport heisst dies, sich an die Spielregeln zu halten und ein anständiges, gerechtes Spiel zu führen. Dies sollte auch im laufenden Sachplanverfahren gelten.

Eine möglichst sichere und faire Entsorgung setzt eine umfassende Betrachtungsweise voraus. Dabei gilt es, stets das Gesamtsystem zu beurteilen.

Zunehmend wird im laufenden Verfahren über die Optimierung einer Anlage in einer Standortregion diskutiert. Dagegen spricht nichts. Schlussendlich braucht es eine akzeptierbare und verträgliche Ausgestaltung. Aufkommende  Forderungen nach einer Aufteilung der Lasten  und damit die Verschiebung eines Teils der Anlage in eine andere Region sind  unter Umständen nicht im Interesse einer sicherheitsgerichteten Gesamtbetrachtung und ist keineswegs eine faire Lösung.

Eine Optimierung aus Sicht eines Standortes alleine, beispielsweise bei der Frage nach einem politisch motivierten Verzicht auf ein Kombilager oder der Platzierung einer Umladestation respektive der heissen Zelle in einer anderen Region sind eigennützig und nicht fair. Solche eigennützige Optimierungen zu Lasten anderer Standorte und Regionen gilt es in den kommenden Jahren kritisch zu hinterfragen. 

 

Gabriela Winkler

winkler@winklercom.ch

St. Florians-Politik?

Bekanntlich hat die Nagra vor einem knappen Jahr vorgeschlagen, die Region Nördlich Lägern zurückzustellen, weil sie gegenüber den andern 2 möglichen Standorten für HAA deutliche Nachteile aufweist.

Damit hat sie den Auftrag für die Etappe 2, eine Reduktion der Standorte vorzunehmen, erfüllt, nämlich von 3 auf 2 für HAA. Noch bevor das ENSI seine Nachforderungen publik gemacht hat, wurden Stimmen laut, es seien alle 3 HAA-Standorte weiter zu untersuchen.

 

Wir wehren uns vom Forum VERA Nördlich Lägern ganz entschieden gegen Forderungen anderer potentieller Standorte, Nördlich Lägern sei nicht zurückzustellen.

Einem Verdikt des ENSI, falls die zusätzlichen Studien zum Indikator «Tiefenlage im Hinblick auf bautechnische Machbarkeit» den Vorschlag der Nagra nicht bestätigen, unterziehen wir uns selbstverständlich. Denn so sieht es das Verfahren vor. Alle andern Formen von Einmischungen und Forderungen, die Region Nördlich Lägern aus andern als wissenschaftlichen Gründen weiter im Spiel zu halten, widersetzen wir uns entschieden.

Die Aufgaben der Regionalkonferenzen sind klar definiert. Sie sollen der Bevölkerung Gelegenheit geben, ihre Anliegen bezüglich Anordnung und  Gestaltung der Oberflächenanlagen einzubringen. Zudem sollen die Berichte der Nagra auf ihre Nachvollziehbarkeit geprüft werden. Das Sachplanverfahren enthält keinen Freipass für St.Florians-Pläne.

Es ist im Interesse der ganzen Schweiz und des benachbarten Auslandes, dass in einem transparenten Ausscheidungsverfahren innerhalb von klar definierten Regeln erarbeitet wird, welche Standorte vertieft untersucht werden sollen und welche sich als die am wenigstens geeigneten herausstellen. Die Regeln im Spiel zu ändern, zeugt nur von schlechtem Stil – weiter nichts.

 

 

 

 

 

Veranstaltungen 2016

Februar 2016

Besichtigung 3-D-Sesmimik im Zürcher Weinland (weitere Infos folgen)

 

3D Sesmimik

 

Samstag, 2. April 2016

Spezialprogramm Grimsel: Besuch der unterirdischen KWO-Anlagen und Felslabor Grimsel inkl. Mittagessen auf dem Hospiz (weitere Infos folgen).

 

Felslabor Grimsel

 

Histrorisches Alpinhotel Grimsel Hospiz

 

Juni 2016

Referat Arthur Junkert zum Entsorgungsprogramm in Deutschland