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Newsletter Nr. 1/19

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Gabriela Winkler

Vizepräsidentin Regionalkonferenz

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Editorial

Die 3. Etappe im Sachplan Geologische Tiefenlager ist gestartet. 

Der Bundesrat hat beschlossen, dass die Standortgebiete Jura Ost, Nördlich Lägern und Zürich Nordost in Etappe 3 weiter untersucht werden sollen. Bei Nördlich Lägern sind beide von der Vollversammlung unterstützten Oberflächenstandorte (OFA) Haberstal bei Stadel und Weiach zu evaluieren.

Gleichzeitig hat der Bundesrat entschieden, dass Grundwasservorkommen kein Hinderungsgrund für den Bau einer Oberflächenanlage und dem Zugang zum Tiefenlager sind. Im Ergebnisbericht zu Etappe 2 heisst es:

«Im Auftrag des BFE legte die Nagra im August 2013 den Bericht NTB 13-01 mit standortunabhängigen Betrachtungen und Grundlagen zur nuklearen Sicherheit, zu Störfällen und zum Schutz des Grundwassers vor. Der Bericht wurde von den zuständigen Behörden des Bundes (ENSI und BAFU) überprüft und als plausibel eingestuft. Sie stellten fest, dass eine Oberflächenanlage im Gewässerschutzbereich Au keine besondere Gefährdung für das Grundwasser darstellt und damit grundsätzlich bewilligungsfähig ist.»


Klärung der Rollen

Der Sachplan ist Teil der Raumplanungsgesetzgebung. Die Voraussetzungen für die Erteilung einer Rahmenbewilligung für ein Tiefenlager sind im Kernenergiegesetz festgelegt. Die Rollen im Sachplan sind klar definiert: 

Die Bevölkerung kann im Rahmen der Regionalkonferenzen ihre Meinung äussern, Experten befragen und hat das Recht auf umfassende Information. Sie ist grundsätzlich in ihrer Meinungsäusserung frei, mit anderen Worten, sie ist nicht verpflichtet, wissenschaftlich zu argumentieren oder Expertenansichten zu übernehmen. Sie entscheidet nicht über Standortwahl.

Die verfahrensleitende Behörde, das Bundesamt für Energie BFE legt aufgrund der Beschlüsse des Bundesrates das Vorgehen fest. Das BFE führt Vernehmlassungen durch und entscheidet über Wünsche und Anträge der Regionalkonferenzen. Stellt z.B. die Regionalkonferenz Nördlich Lägern Antrag, man möge doch auch prüfen, ob eine OFA nicht auch in einer Kaverne angelegt werden könne, so gibt das BFE der Nagra den Auftrag, dies zu tun, falls es den Antrag für sinnvoll hält. 

Die Nagra ist die Organisation der Entsorgungspflichtigen. In der Schweiz gilt das Verursacherprinzip, Kernkraftwerkbetreiber und der Bund (für Abfälle aus Medizin, Forschung und Industrie) müssen für die sichere Lagerung radioaktiver Abfälle sorgen. Die Nagra ist verpflichtet, die dafür notwendigen Untersuchungen vorzunehmen. Da die Schweiz beschlossen hat, die radioaktiven Abfälle in einem geologischen Tiefenlage unterzubringen, führt die Nagra umfangreiche erdwissenschaftliche Untersuchungen durch, welche in einem Entsorgungsprogramm vom BFE jeweils genehmigt werden. Aufgrund ihrer Erkenntnisse beantragt die Nagra weitere Vorgehensschritte und schlägt vor, welche Standorte sie weiter untersuchen möchte bzw. welche sie für ein Tiefenlager als geeignet erachtet. Die Nagra entscheidet nichts.

Das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat prüft die Ergebnisse der Untersuchungen und Anträge der Nagra und verlangt unter Umständen, wie beim Vorschlag der Nagra, Nördlich Lägern zurückzustellen, weitere Daten zu erheben. 

Die Kommission für Nukleare Sicherheit KNS berät den Bundesrat, das Departement UVEK sowie die nukleare Aufsichtsbehörde ENSI in Fragen der nuklearen Sicherheit von Kernanlagen. Sie gibt Stellungnahmen zuhanden der Bewilligungsbehörden ab. 

Zusammengefasst: Das BFE führt, die Nagra führt aus, das ENSI überprüft, die KNS berät und die Regionalkonferenzen äussern ihre Meinung. Die Entscheidungen liegen beim Bundesrat.


Meinungsäusserung nicht Pseudowissenschaftlichkeit

In der 2. Etappe haben die Mitglieder viele Informationen bekommen, wurden mit Resultaten wissenschaftlicher Untersuchungen konfrontiert. Die Regionalkonferenz sollte die Ergebnisse und die daraus abgeleiteten weiteren Schritte nachvollziehen können. In der Zwischenzeit muss man aber feststellen, dass sich Zeichen der Überforderung mehren. Verschiedene Akteure verfolgen eigene Ziele und versuchen, die Regionalkonferenzen zu beeinflussen. Sie bedienen sich dazu von ihnen in Auftrag gegebenen Gutachten, deren wissenschaftliche Qualität, die durchaus vorhanden sein kann, von den Mitgliedern der Regionalkonferenz nicht nachvollzogen werden können. Das widerspricht dem Geist der Partizipation. 

Gabriela Winkler

 

Marcel Baldinger

Präsident Fachgruppe OFI

Fachgruppe Oberflächeninfrastruktur (OFI)

Die einstige Fachgruppe OFA befasst sich nun nicht mehr nur mit der möglichen Situierung der Oberflächenanlage (OFA) in der die radioaktiven Abfälle angeliefert werden, sondern auch mit den Nebenzugangsanlagen.

Gestützt auf den Entscheid des Bundesrates zum Abschlussbericht der 2. Etappe muss sich die Regionalkonferenz Nördlich Lägern mit 2 potentiellen Standorten für die OFA auseinandersetzen, nämlich Haberstal bei Stadel und Weiach. Zudem hat das BFE beschlossen, dass die Fachgruppen OFI in allen verbliebenen Gebieten, die Oberflächenstandorte mittels Nutzwertanalyse bewerten sollen. Dies, um überregionale Vergleichbarkeit zu erzielen.

Nutzwertanalysen sind sehr anspruchsvolle und sensitive Instrumente. Je nach Kriterienwahl und Gewichtung differenzieren die verglichenen Standorte  – wie das bei Etappe 2 zu erfahren war – nur wenig. Die Miliztauglichkeit dieses Instrumentes darf durchaus hinterfragt werden. Es steht zudem unter Beschuss der deutschen Expertenkommission Schweizer Tiefenlagerung ESCHT. Dennoch hat die Vollversammlung sowohl der Methodik als auch der Kriterienwahl zugestimmt. Die Gefahr, dass sich die beiden zu bewertenden Standorte nicht wesentlich von einander unterscheiden, ist alles andere als gebannt.

Die Nagra hat Mitte Mai die standortspezifischen Vorschläge für die Oberflächeninfrastruktur bekannt gegeben. Für Nördlich Lägern stehen 4 Varianten zur Diskussion.

 

Die Fachgruppe OFI trifft sich in einem intensiven Sitzungsrhythmus von 14 Tagen. Sie erreicht damit ohne Zweifel die Grenzen der Miliztauglichkeit.

Andrea Weber

Co-Präsidentin Fachgruppe Sicherheit

Fachgruppe Sicherheit

Erschliessung und Rückholbarkeit sind zwei Themen, welche die Gemüter erhitzen. Aufgabe der FG Sicherheit im Rahmen der 3. Etappe sind die Wissensaneignung zu den erdwissenschaftlichen Untersuchungen, die Auseinandersetzung mit den Sicherheitsaspekten der OFI und der Standortwahl der Nagra (Bewertung der Nachvollziehbarkeit im Rahmen der Erarbeitung der RK-Stellungnahme zu Etappe 3). Zu diesem Zweck werden 4 Mitglieder der Fachgruppe an den Sitzungen der FG OFI teilnehmen.

Ferner beschäftigt sich die FG Si mit den Fragen und Antworten des Technischen Forums.  Fragen können aus der Regionalkonferenz wie aus der Bevölkerung jederzeit eingereicht werden.

Die FG Si ist die vorbereitende Fachgruppe der RK zu allen sicherheitstechnisch relevanten Themen und sorgt als solches auch für den Wissenstransfer zur Regionalkonferenz.

 

Bohrplatzbesuch in Bülach

In Bülach wird die erste Tiefbohrung in der 3. Etappe abgeteuft. Insgesamt hat die Nagra 23 Gesuche um Bewilligung beim BFE eingereicht. Fünf sollen in Nördlich Lägern durchgeführt werden. Die Bohrungen finden am Rande des potentiellen Lagergebietes statt, um das Wirtgestein nicht zu beanspruchen. Ziel der Bohrungen sind die Untersuchungen der Mächtigkeit, der Dichtigkeit und der Zusammensetzung des Wirtgesteins Opalinuston, in dem das Tiefenlager dereinst gebaut werden soll. 

Die Bohrungen zeigen gleichzeitig, wie präzis die Daten der Seismik sind. Die durch 2D- und 3D-Seismik gewonnenen Daten werden durch sie validiert. Die Seismik-untersuchungen geben Hinweise auf den Gesteinsaufbau. Die 2D-Seismik hat im Norden von Nördlich Lägern eine tektonisch beanspruchte Zone gezeigt. Die 3D-Seismik hat deren Vorhandensein bestätigt. Aufgrund der so gewonnen Daten der Seismik schätzt man ab, wo die Gesteinsschichten wechseln. Bisher zeigt sich, dass die Abweichung lediglich 3 m auf 700 m beträgt. Die Seismikergebnisse erweisen sich als vertrauenswürdig und belastbar.

Dr. Lukas Oesch, Geologe geht auf die Fragen der Besucher ein. Rechts im Bild Barbara Franzen, Kantonsrätin

Dr. Lukas Oesch (Nagra) erläuterte uns, die Bohrung werde voraussichtlich eine
Tiefe von 1350 Meter erreichen (beantragt wurde eine Maximaltiefe von 2000 m). Sie dauert voraussichtlich bis im Oktober 2019. In dieser Zeitspanne ist eine «Bohrpause» von ca. 1 Monat vorgesehen, um verschiedene Tests vor Ort auszuführen. Der Opalinuston wird in einer Tiefe von etwa 870m erwartet.

Die Bohrung in Bülach findet auf dem Gelände einer ehemaligen Munitionsfabrik statt. Nach dem Abtrag des Humus mussten einige Meter Altlasten ausgehoben und der Sondermüllentsorgung zugeführt werden. Ab einer Tiefe von 535m werden Bohrkerne gezogen, welche u.a. an der Universität Bern analysiert werden. 

Gebohrt wird rund um die Uhr an 7 Tagen pro Woche. Das bedingt den Bau von Lärmschutzwänden. Ein Notstromaggregat sorgt für ununterbrochene Energieversorgung. Die Bohrflüssigkeit wird auf einem Sieb gerüttelt, um Sand und kleines Geröll zu entfernen. Der Schlamm wird in separaten Mulden aufgefangen, die Bohrflüssigkeit wiederaufbereitet und in den Kreislauf zurückgeführt.

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Donnerstag, 24. Oktober 2019, 17.00 Uhr

Besuch des Hotlabors im Paul-Scherrer-Institut, Würenlingen

Das Hotlabor am Paul Scherrer Institut PSI ist eine Anlage, in der Forscherinnen und Forscher hoch radioaktive Materialien in speziellen abgeschirmten Kammern – die Hotzellen oder auch Heisse Zellen genannt werden – untersuchen. Die Anlage ist in der Schweiz einzigartig. Sie dient der angewandten Materialforschung an stark radioaktiven Proben aus Kerneinbauten und Brennstäben von Kernkraftwerken, Forschungsreaktoren und den PSI-Bestrahlungseinrichtungen