Felsen

Newsletter 1/2019

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Christian Heydecker

Vizepräsident Forum Vera

heydecker@heydecker-tektas.ch

Sicher und gut

Bereits vor Jahren forderte das Forum Vera: Sicherheit hat erste Priorität. Diese Haltung ist heute politisch und gesellschaftlich breit akzeptiert. Die meisten Parteien, Organisation und Interessengruppen unterstützen heute das Primat der Sicherheit. Bei der Frage einer Umsetzung gibt es jedoch weiterhin unterschiedliche Auslegungen. Sicherheit ja, aber was heisst erste Priorität? Wie sicher ist sicher genug? Der Begriff der Sicherheit kann auch missbraucht werden. Die Forderung einer möglichst grossen Sicherheit, nach immer noch mehr Sicherheit, kann dazu verleiten, eine Realisierung ständig nach hinten zu schieben. Ein gängiges Argument dazu ist, dass gesellschaftliche oder wissenschaftliche Erkenntnisse fehlen; man werde ja laufend immer gescheiter. Es ist offenkundig, da wird das Primat der Sicherheit missbraucht, da wird taktiert.

Es erscheint deshalb angezeigt, nicht nur eine möglichst sichere, sondern auch eine gute Lösung einzufordern. Auch der Begriff «gut» lässt sich natürlich unterschiedlich auslegen. Aus Sicht des Forum Vera würde eine gute Lösung bedeuten, dass eine Entsorgung nicht nur technisch sicher, sondern auch gesellschaftlich breit abgestützt, regional verträglich, finanzierbar und zeitnahe realisierbar ist. Nur unter diesen Voraussetzungen lässt sich diese für die nächsten Generationen wichtige und verantwortungsvolle Aufgabe lösen – sicher und gut.

Matthias Knill

Mitglied Forum Vera und Vorstand Regionalkonferenz ZNO

matthias.knill@konsulenten.ch

Tiefenlager im Weinland: 3:0 für Deutschland

Gut gespielt, gut taktiert und gut reklamiert. Die Intervention auf Stufe Berlin-Bern hat sich gelohnt. Deutschland gewinnt an Einfluss und baut seine Position im Schweizer Sachplanverfahren zur Entsorgung der radioaktiven Abfälle aus. 

Erstens, mit Dettighofen und Gottmadingen wurden jüngst zwei Gemeinden im Verfahren aufgenommen, welche kaum einen Bezug zum Weinland haben. Zweitens, die Gemeinde Jestetten wird in einer wichtigen Fachgruppe aufgenommen, welche sich mit der Platzierung der Infrastrukturprojekte beschäftigt, obwohl die Gemeinde nie direkt von einem Bauprojekt betroffen wäre. Dafür fliegt die direkt betroffene Gemeinde Uhwiesen aus dieser zentralen Fachgruppe raus – vorläufig. Drittens stimmte die Regionalkonferenz diese Woche einem Antrag aus Deutschland für einen zweiten Sitz im Vorstand zu.

Das deutsche Team hat sich für die anstehenden Diskussionen um mögliche Abgeltungen gut aufgestellt. Die eher schüchterne Schweizer Mannschaft ist ins Hintertreffen geraten. Ein ausgeglichenes Resultat ist erstrebenswert. Oder noch besser, ein gemeinsames Spiel über die Landesgrenzen hinweg mit dem Ziel, eine möglichst sichere Lösung für die notwendige Entsorgung zu finden.

Monika May

Mitglied Forum Vera und Fachgruppe Oberflächenanlage Fachgruppe OFI Regionalkonferenz ZNO

monika-may@bluewin.ch

Auf dem Weg zu einem optimalen Standort

Auch die Fachgruppe OFI ist in die Etappe 3 gestartet. In den kommenden Monaten wird es darum gehen, für alle erforderlichen Oberflächen-Infrastrukturen eines Tiefenlagers einen möglichst geeigneten Standort zu definieren und eine vernünftige Erschliessung zu evaluieren.

Ist dies zum heutigen Zeitpunkt überhaupt möglich? Wollen wirklich alle Beteiligten das Bestmögliche für die Region? Leider gibt es immer noch Exponenten, für welche die Verhinderung des Projekts im Vordergrund steht. Die Realisierung von wenig einsehbaren Standorten wird gezielt verhindert, um eine regionale Akzeptanz zu erschweren. Dies kann für eine Region zu einem Eigentor führen. Ein Umdenken kann wohl erst erwartet werden, wenn der Bundesrat den definitiven Standortentscheid gefällt hat.

Erfreulich auf der anderen Seite ist die Tatsache, dass dank den vorliegenden Ergebnissen aus den Untersuchungen der lokalen Grundwassersituation die Diskussion bezüglich Grundwasserschutz versachlicht wird. Der Entscheid der Fachgruppe OFI, das Grundwasser als Negativ- und nicht Ausschlusskriterium zu bewerten, ermöglicht es heute, eine für die Region möglichst verträgliche Lösung zu erarbeiten. Zudem ist dadurch eine Vergleichbarkeit mit anderen Standortregionen sichergestellt.  Positiv zu werten ist auch, dass frühere Vorschläge nochmals neu beurteilt werden können und somit der Oberflächenstandort weiter optimiert werden kann.

Bereits jetzt zeichnet sich ab, dass mit Veränderungen auch neue Begehrlichkeiten entstehen. Es ist absehbar, dass sich weitere Gemeinden, auch aus Deutschland, betroffen fühlen und unter diesem Vorwand weitere Ansprüche geltend machen. Die Weinländer Gemeinden sind gut beraten, ihre legitimen Interessen im Verfahren angemessen einzubringen.

Jürg Naef

Mitglied Forum VERA Fachgruppe OFI Regionalkonferenz ZNO

juerg.naef@shinternet.ch

Regionalkonferenz, quo vadis?

Ist es nicht so, dass es sich lohnt, in einer Organisation Bewährtes zu belassen und Notwendiges zu erneuern? In den vergangenen Jahren wurde in der Regionalkonferenz wichtiges Wissen aufgebaut und gefestigt.Es ist verständlich, dass man den Einfluss der möglicherweise direkt betroffenen Gemeinden in der letzten Etappe des Sachplanverfahrens verstärken will und eine stärkere Beteiligung dieser Vertretungen angesagt ist. Es ist aber ebenso klar, dass das vorhandene Wissen möglichst schnell, effizient und rasch an neue Mitglieder übertragen werden muss. 

Die angelaufene Etappe 3 ist in diesem Kontext herausforderungsreich und alle Beteiligten werden durch die zusätzlichen Aufgaben gefordert sein. Eine nochmalige Überprüfung des Standortes im Zürcher Weinland und eventuelle Korrekturen sind terminlich gebunden. Es wird in den Fachgruppen nicht einfacher, wenn diese zu gross und nicht auf dem gleichen Wissensstand sind. Eine zielgerichtete Führung des Verfahrens wird auch nicht besser, wenn der Vorstand wächst, weil beispielsweise Deutschland politisch motiviert und professionell inszeniert zusätzliche Ansprüche stellt. Wieviel zahlt denn letztlich Deutschland oder deren Bürgerinnen und Bürger an die Kosten einer Entsorgung? Oder geht es letztlich nicht nur darum, Betroffenheit zu inszenieren, um möglichst viel Abgeltungen aus der Schweiz zu erhalten?

Es besteht die Gefahr, dass die Effizienz in einem Vorstand leidet, der mittlerweile auf 14 Personen angewachsen ist. Die Informationswege werden dadurch nicht einfacher. Ansprüche stellen ist eines, mit persönlichem Einsatz seinen Beitrag zu einer für die ganze Region gute Lösung zu leisten, ist das andere. 

Das Verfahren muss zielgerichtet geführt werden und die Effizienz muss sichergestellt bleiben. Sich für eine sichere Lösung einzusetzen bedeutet auch, das Thema nicht unnötig zu verkomplizieren und zu verzögern. Damit wäre eine langfristig sichere Lösung gefährdet.

Walter Wipf

Mitglied der Fachgruppe Regionale Entwicklung Regionalkonferenz ZNO

w.wipf@bluewin.ch

Fachgruppe Regionale Entwicklung beschäftigt sich mit den möglichen Auswirkungen

Die Fachgruppe Regionale Entwicklung wird sich 2019 mit einigen bedeutenden Fragen befassen.Auf der Agenda steht unter anderem das Thema Pilot-Monitoringbericht. Hier sollen Inputs gegeben werden. Gegen Ende des Jahres werden dann die Entwicklungsziele der unterschiedlichen Planungsträger analysiert. 

 

Die Auswirkungen im Blick

Ein weiteres wichtiges Thema ist die Rückmeldung zu den Fragen der Auswirkungen der OFI-Varianten. Wir dürfen gespannt sein, wie sich die Situation nach der Offensive aus Deutschland auf die Arbeiten auswirkt. Es bleibt zu hoffen, dass die die Auswirkungen faktisch und sachlich beurteilt werden. Die inszenierte Betroffenheit ist keine gute Orientierungshilfe, um das Ausmass der Effekte auf eine Region zu beurteilen.

 

Das Zürcher Weinland ist ins Hintertreffen geraten

Im Kontext der Diskussionen um die Zusammensetzung der verschiedenen Gremien konnte man den Eindruck gewinnen, als würde ein Lager schlussendlich in Schaffhausen oder Deutschland gebaut.Die Argumente sind stets die gleichen: wir sind mehr Leute, wir sind stärker betroffen, wir haben mehr Stellungnahmen geschrieben. Dass unter dem massiven Druck die Spielmacher eingeknickt sind ist bedauerlich, muss aber akzeptiert werden. Es bleibt zu hoffen, dass bei den laufenden Diskussionen um die Konkretisierung der Oberflächenanlagen in den kommenden Wochen und Monaten allen Beteiligten wieder bewusst wird, wo möglicherweise ein zukünftiges Tiefenlager gebaut wird, wo die Arbeiten ausgeführt werden, wo die Transporte stattfinden und wo die Bevölkerung effektiv und nicht gefühlt betroffen ist. 

Stefanie Bruderer

Projektarbeit zum Thema Endlagerung von Atommüll in der Schweiz

Immer häufiger liest man in der Zeitung oder im Internet von radioaktiven Abfällen und wie sehr diese unsere Umwelt belasten. Von vielen Menschen wird dieses Thema sehr unterschätzt, da sie sich selbst oft nicht direkt betroffen fühlen. Oft ist es uns auch nicht bewusst, dass sich noch viele weitere Generationen mit der Entsorgung von Atommüll auseinandersetzten müssen, da er über einen längeren Zeitraum gefährlich bleibt.

Zusammen mit Moritz Bührer und Neil Gasser habe ich in den letzten Monaten zu diesem Thema eine Projektarbeit verfasst. 

Das Thema hat uns aus mehreren Gründen zugesagt. Einerseits haben uns Ereignisse, wie die Reaktorunfälle in Tschernobyl und Fukushima oder die schwerwiegenden Folgen der Radioaktiven Strahlung nach den Atombombenabwürfen über Hiroshima und Nagasaki sensibilisiert und andererseits war uns ein Bezug zur Schweiz wichtig. 

In unserer Arbeit gingen wir darauf ein, ob die Tiefenlagerung tatsächlich die sicherste Lösung ist. Daher haben wir uns für folgende Hypothese entschieden: Aufgrund der bisherigen Erfahrungen mit der Lagerung von Atommüll ist ein Tiefenlager für die Schweiz die sicherste Lösung.

 

Die Arbeit hat uns gezeigt, dass sich Atommüll wesentlich von anderen Abfällen unterscheidet, denn er gibt Strahlung über einen langen Zeitraum an die Umwelt ab. Aus diesem Grund ist es auch wichtig, dass man eine sinnvolle Lösung für die Entsorgung der radioaktiven Abfälle findet. Wir haben uns intensiv mit der Standortsuche für ein Tiefenlager beschäftigt. Dabei war für uns auch wichtig, wer daran wie beteiligt ist. Ausserdem konnten wir einiges über den Aufbau eines solchen Lagers herausfinden. 

Die Alternativen, welche bisher bekannt sind, bringen alle keine endgültige Lösung mit sich. Die Sicherheit muss auch gewährleistet sein, wenn die Gesellschaft diese nicht mehr gewährleisten kann (Kriege, Terrorismus, Katastrophen, Eiszeiten etc.). Daher, wegen der Gesetzeslage und weil die Alternativen keine langfristige Lösung bieten, kommen wir zum Schluss, dass die Tiefenlagerung für die Schweiz die derzeit sicherste Lösung ist. Dabei wollen wir betonen, dass es sich nicht um eine Endlagerung handelt, denn die Rückholbarkeit muss per Gesetz gewährleistet sein. 

Es erstaunt uns nicht, dass sich die ganze Planung und mögliche Realisierung über mehrere Jahrzehnte erstreckt, denn das Tiefenlager muss viele Anforderungen erfüllen. Ausserdem entscheiden erst spätere Generationen über einen definitiven Verschluss, was wir korrekt finden. Es ist ein Generationenprojekt. Sollte der Standort je in Vergessenheit geraten, so hoffen wir, dass die Wissenschaftler, Geologen und Bauarbeiter eine gute Arbeit geleistet haben. 

Obwohl wir von der Tiefenlagerung derzeit überzeugt sind, kann es sein, dass diese nicht realisiert wird. Dies wäre zum Beispiel möglich, wenn nach dem Parlamentsbeschluss ein fakultatives Referendum zustande käme und das Volk dieses annimmt.

Vorankündigungen

2.4.2019, 18.15 Uhr: GV Forum Vera, Haus Appenzell, Zürich

3.7. 2019, 18.00 Uhr: Besuch Tiefenbohrung Trüllikon

Oktober / November 19: Besuch Einhausung Schwammendingen