Felsen

Newsletter 2/2018

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Christian Heydecker

heydecker@heydecker-tektas.ch

Vizepräsident Forum Vera

Polarisierung ist nicht zielführend

Die sichere und langfristige Entsorgung der radioaktiven Abfälle geht uns alle etwas an. Es braucht deshalb eine Lösung, die auch politisch, gesellschaftlich und regional breit abgestützt ist. Hier besteht Konsens.

Auch wenig umstritten ist, dass eine Polarisierung nicht zielführend ist. So schreibt  der Schaffhauser Regierungsrat im März 2018 auf eine Kleine Anfrage: „Bereits heute zeichnet sich eine Polarisierung ab. Es ist nicht im Interesse des Kantons, wenn zwischen uns und unseren deutschen Nachbarn, zwischen Weinländer Gemeinden und dem Kanton Schaffhausen oder zwischen technikskeptischen und technikfreundlichen Kreisen ein Keil getrieben wird“. Einverstanden, Zentrifugalkräfte sind nie zielführend und deshalb einzudämmen. Alle Akteure können hier einen Beitrag dazu leisten.

Die Vertreter aus Deutschland oder der Region Schaffhausen sind im laufenden Sachplanverfahren eng eingebunden. In der Regionalkonferenz, der Leitungsgruppe und den Fachgruppen sind sie angemessen vertreten. Weshalb braucht es dann zusätzlich in Deutschland mit der „Deutschen Koordinationsstelle Schweizer Tiefenlager“ oder in Schaffhausen mit der „Kommunalen Planungskonferenz geologische Tiefenlager“ Organisationen, welche ausserhalb der Regionalkonferenz agieren? Werden diese Organisationen inskünftig integrierend oder zentrifugierend wirken?

Der Kanton Schaffhausen muss sich verfassungsgemäss gegen ein Tiefenlager wehren. Der Regierungsrat beteuert dazu immer wieder, dass er zwar kritisch, aber konstruktiv am Verfahren mitwirken wolle. Gut so, aber wäre es dann nicht konsequent, den  Verfassungsauftrag zur Fundamental-Opposition für die kommende Etappe abzuschaffen? In der Tat eine etwas ketzerische Frage.

Die Etappe 3 wird zeigen, ob die Behördenvertreter ausserhalb des direkt betroffenen Infrastrukturgebietes es ernst meinen, einer unerwünschten Polarisierung entgegen zu wirken und weiterhin an einer gemeinsamen Lösung zu arbeiten. 

Matthias Knill

matthias.knill@konsulenten.ch

Mitglied Forum Vera und Leitungsgruppe Regionalkonferenz ZNO

 

Etappe 3: jetzt wird es konkret

Aktuell laufen die Vorbereitungsarbeiten für die Etappe 3. Vieles spricht für das Prinzip „Status Quo“. Im Grundsatz spricht nichts dagegen, hat sich das Sachplanverfahren doch auch in vielen Punkten bewährt. Unter Einbezug der lokalen Bevölkerung ist es gelungen, auf dem Weg zu einer langfristigen und sicheren Entsorgung unserer radioaktiven Abfälle einige zentrale Weichen zu stellen.  Die Standorte für Oberflächenanlagen wurden festgelegt, Fragen zur Sicherheit von Transport und Lagerungen konnten adressiert werden. Erste Überlegungen zur den Auswirkungen auf unsere Region wurden gemacht. In der Etappe 3 wird es nun aber konkret. Es geht auch um Abgeltungen. Unsere deutschen Nachbarn haben die Angelegenheit gekonnt auf eine höhere Ebene eskaliert. Berlin und Bern haben sich kurzgeschlossen. Frau Bundesrätin Doris Leuthard sprach mit der Regierungspräsidentin Bärbel Schäfer und drei Landräten. Diese forderten insbesondere die Gleichstellung der Gemeinden Hohentengen, Jestetten und Lottstetten mit den Schweizer Infrastrukturgemeinden und eine stärkere Einbindung bei der Aushandlung der Abgeltungsverhandlungen. Sie verlangen auch eine Erhöhung der Sitzzahl in den Regionalkonferenzen. Die gekonnte Eskalation erlaubt es, andere grenzüberschreitende Themen wie der Flughafen Zürich und Transitverkehr mit der Entsorgungsfrage zu koppeln. Eine aus Deutscher Sicht clevere Strategie. 

Einverstanden, ein Tiefenlager ist ein Projekt, welches nicht nur die Infrastrukturgemeinden betrifft. Die wesentlichen Aufgaben müssen aber vor Ort bewältigt werden. Es ist deshalb nachvollziehbar, das die direkt betroffenen Gemeinden ihren Anspruch zur aktiven Mitgestaltung geltend machen. So wie es bei allen bedeutenden Infrastrukturprojekten der Fall ist. 

Im November soll an der Regionalkonferenz das Fundament für die Etappe 3 gelegt werden. Es wird sich zeigen, ob alle beteiligten Akteure daran interessiert sind, den konstruktiven Weg fortzusetzen. 

Monika May

monika-may@bluewin.ch

Mitglied Forum Vera und Fachgruppe Oberflächenanlage
Regionalkonferenz ZNO

Vulkanismus und Tiefenlager: bestehen Risiken?

Erdbeben, Gletscher und Vulkane: diese drei natürlichen Phänomene tauchen immer wieder auf, wenn über eine möglichst sichere Entsorgung von radioaktiven Abfällen diskutiert wird.

Im Rahmen der diesjährigen Sommerveranstaltung der Regionalgruppe Nordost trafen sich bei strahlendem Wetter 35 interessierte Teilnehmer, um der Frage über mögliche Risiken von Vulkanismus im Hegau auf den Grund zu gehen.

 

 

Die Exkursion führte auf den Hohentwiel bei Singen. Auf anschauliche Art erklärte der Geologe, Dr. Andreas Gautschi, die geologischen Prozesse, welche vor rund 15 bis 7 Millionen Jahren entlang von Störungszonen zu einem Vulkanismus in dieser Gegend führte. Damals stiess flüssiges Gestein aus einer Tiefe von bis zu 100 km in mehreren Schloten und vereinzelten Gängen an die Erdoberfläche auf.Noch heute zeugen die markanten Hügel im Hegau von dieser Aktivität. So hat der Gletscher diese Landschaft geprägt, indem er die Schlote freilegte.

Während der Exkursion machte uns Andreas Gautschi immer wieder auf Gesteine aufmerksam, die explosionsartig aus den Schloten ausgeworfen wurden. So finden sich Lapilli, etwa haselnussgrosse Lavabröckchen, direkt auf dem Wanderweg oder vulkanische Bomben sind in Aufschlüssen gut ersichtlich.

 

 

Der Vulkanismus im Hegau gilt als erloschen. Den vulkanischen Zonen wird bei der Festlegung eines Standortes für Tiefenlager aber grossräumig ausgewichen. Damit wird wasserführenden Zonen, welche entlang der Schlote auftreten können, bewusst ausgewichen, erklärte Andreas Gautschi.

Die aufschlussreiche Exkursion fand ihren Abschluss im Reiatstübli, wo der engagierte Austausch unter den Teilnehmern jedoch noch weiter ging.

 

 

Jürg Naef

juerg.naef@shinternet.ch

Mitglied Forum VERA
Fachgruppe OFA
Regionalkonferenz ZNO

 

Gedanken zur Gründung des Verein LIKE Weinland

Landwirt Jürg Rasi und seine Familie haben einen neuen Verein gegründet, dessen Zweck auf der neu aufgeschalteten Website beschrieben wird. Die neu aufgeschalteten Seiten beleuchten Themen, die mehrheitlich bereits behandelt wurden oder in der nächsten Etappe angegangen werden, wenn der Standort definiert ist. An verschiedenen Stellen wird die Bevölkerung angehalten, sich nicht am Partizipationsprozess zu beteiligen. 

Es ist weit einfacher mediale und öffentliche Aufmerksamkeit zu schaffen, als sich aktiv und im Sinne einer in die Zukunft gerichteten Lösung zu engagieren. Unfair sind Aussagen des Vereins wie zum Beispiel, dass die SÖW-Studie unzulänglich und falsch sei, ein weiteres Mal die finanziellen Entschädigungen in Frage gestellt werden.

Sicherheit erfordert Vertrauen! Ja, liebe Vereinsmitglieder von LIKE, dagegen habe ich überhaupt nichts einzuwenden, was jedoch unkorrekt ist, dass die Untersuchungen nur auf die Oberfläche beschränkt seien. In den nächsten Jahren werden dazu in allen zur Auswahl stehenden Gebieten Tiefbohrungen durchgeführt.  

Wir sprechen immer von der Basisaufgabe „Entsorgung Nuklearer Abfälle“ und dieses Ziel steht in allen Themen, Fragen, Abklärungen in der Diskussion sämtlicher Fachgruppen, die sich teilweise seit Beginn der Arbeiten innerhalb der Regionalkonferenz engagieren. Sie werden bis zum heutigen Tag von ausgesuchten und ausgebildeten Fachleuten, Spezialisten deren Wissen weit über unsere Laienkenntnisse hinausgehen, unterstützt. Sie schulen sich an Weiterbildungsanlässen und Fachexkursionen weiter und bringen so viel Wissen in die Regionalkonferenzen.

Wenn man weiss, wie viele Fachkräfte und Spezialisten in allen Bereichen mitarbeiten, dann ist man sich auch im Klaren darüber,  welchen Aufwand bei diesem generationenübergreifenden Projekt betrieben wird. 

Das Forum VERA, das sich seit Jahren mit Verantwortung für die Entsorgung Radioaktiver Abfälle mit vielen freiwilligen Leuten einsetzt, wird einmal mehr als verlängerter Arm der Nagra dargestellt.  Die Mitglieder des Forums VERA engagieren sich – wie bestimmt auch die Mitglieder von LIKE  - ehrenamtlich und ohne Entschädigung.  

LIKE Weinland hingegen lebt einen fundamentalen Widerstand. Nicht die Regionalkonferenz und auch nicht das Forum VERA, ja selbst die NAGRA entscheidet letztlich nicht, wo am Tag X ein Tiefenlager gebaut werden soll. Dem fundamentalen Widerstand haben andere abgeschworen und engagieren sich kritisch aber aktiv in der Regionalkonferenz.

Auch LIKE Weinland kann sich im Verfahren einbringen und konstruktiv am Partizipationsverfahren teilnehmen. Aus einem interessanten Artikel in den Schaffhauser Nachrichten vom 18. August 2018  habe ich einen treffenden Ausdruck gelesen, der als Nimby-Effekt von einem Kanti-Schüler zitiert wird, was übersetzt heisst: „Not in my back yard“ oder eben nicht in meinem Hinterhof. Oder, so aus dem Artikel abgeleitet: „Anderswo ist ein Endlager in Ordnung, aber nicht bei mir“.

Fritz Krebs

krebslandolt@bluewin.ch

Mitglied Forum Vera und Fachgruppe Sicherheit
Regionalkonferenz ZNO

Felslabor Mont Terri: ein lohnenswerter Besuch

Das Felslabor Mont Terri befindet sich in der Nähe des idyllischen Jurastädtchen St. Ursanne. Es liegt rund 300 Meter unter der Erdoberfläche, im Bereich des Sicherheitsstollens des Mont-Terri-Autobahntunnels. Seit 22 Jahren werden in  diesem Forschungszentrum unter der Leitung des Bundesamtes für Landestopografie, swisstopo, Versuche und Forschungsprojekte im Opalinuston durchgeführt. Zahlreiche internationale Organisationen beteiligen sich daran. Die aktuell zur Verfügung stehende Laborgrösse von 650 Metern wird zurzeit vergrössert, da viele Forschungs-Projekte anstehen. Die Resultate aus den zahlreichen Versuchen sind wichtige Bausteine für die Beurteilung von Machbarkeit und Sicherheit der geologischen Lagerung für die radioaktiven Abfälle.

Das Projekt Atomares Tiefenlager wird oft sehr emotional diskutiert. Ein persönlicher Besuch des Felslabors gibt Einsicht in die umfassenden und spannenden Forschungsprojekte. Durch die sachlichen, offenen und verständlichen Informationen, welche bei einem Besuches vermittelt werden, lassen sich Vorurteile abbauen und wichtiges Wissen gewinnen.. Dies bestätigen auch Rückmeldungen wie zum Beispiel: „ Nochmals vielen Dank für die Führung unter Tag. Wir haben viele interessante Informationen erhalten, so dass das Verständnis betreffend des radioaktiven Abfalls, resp. der Endlagerung erheblich gestiegen ist.“(www.mont-terri.ch); oder: „ Eine 100%-ige Sicherheit wird es nie geben, aber etwas müssen wir tun, denn wir können die Abfälle nicht in unseren Kellern lagern!“(Berichterstattung eines Bauführer-Ausfluges nach dem Besuch im Mont-Terri).

Behörden aber auch Freizeit- und Ausbildungsorganisationen, speziell diejenigen in den allenfalls von einem Tiefenlager betroffenen Regionen, ermuntere ich ,die Gelegenheit zu nutzen und ihren Anwohnern, Mitgliedern und Schülern den Besuch des Felslabors zu ermöglichen. Auch für einen Betriebsausflug von Fachleuten oder Interessierten eignet sich der Besuch ausgezeichnet, kann doch als Abrundung noch ein Abstecher nach St. Ursanne eigeplant werden. 

 

 

Unterstützung für die Organisation eines Besuches erhalten sie unter: www.mont-terri.ch/de/besucherzentrum.html oder www.nagra.ch/de/mtterrifelslabor.htm 

Vorankündigung

Abendveranstaltung zum Thema „Transport von radioaktiven Stoffe – worauf  kommt es an?“

Die nächste Veranstaltung der Regionalgruppe ZNO findet statt am Montag, 12.11.2018 um 19 Uhr.

Bitte Termin reservieren. Weitere Infos folgen.