Felsen

Newsletter Nr. 2/17

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Kurt Wyss

Vorsitzender Regionalgruppe AG/SO

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Das Standortauswahlverfahren für geologische Tiefenlager biegt auf die Zielgerade ein

Die Frage, wo die radioaktiven Abfälle in der Schweiz entsorgt werden, wird in den kommenden Jahren beantwortet.

Die Wahl der Standorte für geologische Tiefenlager in der Schweiz erfolgt gemäss Sachplan „geologische Tiefenlager“. Der Bundesrat hat das Sachplanverfahren im April 2008 in Kraft gesetzt. Das Auswahlverfahren umfasst drei Etappen und steht unter der Federführung der Bundesbehörden.

In der ersten Etappe (2008 - 2011) wurden mögliche geologische Standortgebiete festgelegt, die sich für den Bau sicherer Tiefenlager eignen. Ende 2011 wurde die erste Etappe mit einem Bundesratsentscheid abgeschlossen.

In der 2. Etappe ging es darum, die Lagerprojekte in den sechs potenziellen Standortregionen zu konkretisieren und die geologischen Standortgebiete miteinander zu vergleichen. Gegenwärtig stehen wir kurz vor dem Abschluss der zweiten Etappe.

 

Ein wichtiger Bestandteil der zweiten Etappe ist die regionale Partizipation.

Vertreterinnen und Vertreter der Standortregionen konnten ihre Ideen und Anliegen ins Verfahren einbringen. In allen Regionen wurden Standorte für mögliche Oberflächenanlagen diskutiert und dann bezeichnet.

 

Wo stehen wir heute und wie geht es weiter?

Anfang 2015 hat die Nagra die Standortgebiete Zürich Nordost und Jura Ost für die weiteren Untersuchungen in Etappe 3 vorgeschlagen. Beide Standortgebiete eignen sich sowohl für ein geologisches Tiefenlager für hochaktive Abfälle (HAA) als auch für schwach- und mittelaktive Abfälle (SMA). Nach Prüfung der Vorschläge der Nagra hat das Eidg. Nuklearsicherheitsinspektorat (ENSI) im Dezember 2016 seine Empfehlungen für den Bundesrat bekanntgegeben: Die Behörden schlagen vor, neben den Standortgebieten Zürich Nordost und Jura Ost auch noch das Gebiet Nördlich Lägern in Etappe 3 weiter zu untersuchen. Die Standortgebiete Südranden, Jura-Südfuss und Wellenberg sollen zurückgestellt werden.

 

Die Vernehmlassung ist Ende November gestartet

Der Bundesrat hat am 23. November die Vernehmlassung zu Etappe 2 eröffnet. Der Bundesratsentscheid welche Gebiete in der 3. Etappe weiter untersucht werden sollen, wird Ende 2018 erwartet.

Ab dem Beginn der 3. Etappe, ist geplant, dass in den drei noch in Frage kommenden Gebieten mit den Tiefbohrungen durch die Nagra begonnen werden kann.

Das Standortauswahlverfahren endet voraussichtlich 2029 mit dem Entscheid des Bundesrats und des Parlamentes mit der Erteilung der Rahmenbewilligungen für die erforderlichen Tiefenlager. Dieser Entscheid unterliegt dem fakultativen Referendum.

 

Ueli Müller

Co-Präsident der Regionalkonferenz Jura Ost

Gemeindeammann von Riniken

mueller.riniken@bluewin.ch

Drei Fragen an den Co-Präsident der Regionalkonferenz Jura Ost, Ueli Müller, Gemeindeammann von Riniken

Mit welchen Aufgaben hat sich die Regionalkonferenz in diesem Jahr hauptsächlich beschäftigt?

An der Versammlung von 29. Juni haben wir unsere definitive Stellungnahme zu Etappe 2 verabschiedet. Bereits im Oktober 2015 hatte die Regionalkonferenz eine erste Version der Stellungnahme verabschiedet, diese aber als „vorläufig“ bezeichnet, weil es im Zusammenhang mit den Nachforderungen des ENSI noch Unklarheiten gab und auch noch keine Ergebnisse der behördlichen Überprüfung vorlagen.

Ansonsten befassten wir uns mit der Struktur und Organisation der Regionalkonferenz in Etappe 3, die voraussichtlich im Januar 2019 beginnt. Zum Jahresende nehmen wir uns der Vernehmlassung der Etappe 2 an.

 

Der Sachplan mit der regionalen Partizipation läuft nun schon seit einigen Jahren. Sind die Mitglieder noch motiviert oder gibt es Ermüdungserscheinungen?

Das ist schwierig zu beurteilen. In der Tendenz ist die Beteiligung an den Versammlungen in den letzten drei Jahren gegenüber dem Anfang rückläufig. Der Grund könnte auch in der Art der Versammlungen liegen. In letzter Zeit führten wir oft Informationsveranstaltungen mit wenigen Verhandlungen und Entscheidungen durch.

 

Wie soll die Regionalkonferenz für die 3. Etappe neu organisiert oder ausgerichtet werden? Ist der Einbezug der betroffenen Gemeinden sichergestellt. Welche Aufgaben stehen im kommenden Jahr auf dem Programm der Regionalkonferenzen?

Laut Bundesamt für Energie müssen wir uns in der Etappe 3 als Verein organisieren. Dazu wurde ein Papier „Konzept regionale Partizipation in Etappe 3“ erstellt. Es ist für uns wichtig, dass dieses Konzept genügend Spielraum für die Berücksichtigung von regionalen Bedürfnissen und Gegebenheiten lässt.

Die Gemeinden müssen in der neuen Organisation eine Mehrheit aufweisen. Nur so ist gewährleistet, dass die gesetzlich legimitierten Vertreter ihre Aufgaben wahrnehmen können.

Die Hauptaufgabe im kommenden Jahr wird die Vorbereitung auf Etappe 3 sein. Die Vereinsgründung ist auf Dezember 2018 vorgesehen.

Rainer Lüscher

Vorstandsmitglied der Regionalgruppe AG/SO

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Rückblick auf die letzte Veranstaltung mit dem Thema „Wie gefährlich ist Radioaktivität aus dem Tiefenlager?“

Im Rahmen der letzten Veranstaltung in diesem Jahr begrüsste der Vorsitzende der Regionalgruppe AG/SO, Kurt Wyss gut 30 Besucher im Axporama in Böttstein.

Der Referent Dr. Walter Rüegg ist Kernphysiker und ehemaliger Chefphysiker der Schweizer Armee. Er schaffte es, einen äusserst interessanten, und auch für Zuhörer ohne Physik-Studium, nachvollziehbaren Spannungsbogen aufzubauen, der die Gefahren eines Tiefenlagers in Relation zu anderen Gefahren aus dem Alltag, aber auch Gefahren im Zusammengang mit Radioaktivität im Allgemeinen und dessen Umgang in einem Tiefenlager zu setzen.

 

 

Radioaktivität ist differenziert und nicht als Schreckgespenst zu betrachten. Statt simpler Beschwichtigungen lieferte er nachvollziehbare Vergleiche und Erfahrungswerte. Diese erlauben eine nüchterne Betrachtungsweise der Endlagerproblematik.

In der „Rangliste der Gefährdungen“ schwingen die Bergbau-Abfälle weit oben aus mit den Rückständen von Arsen, Blei, Cadmium und weiteren Giftstoffen. Mit deutlichem Abstand, aber immer noch hohen Mengen und entsprechenden Belastungen folgen die Aschen aus Kohlekraftwerken und der Sondermüll. Weit abgeschlagen kommen schliesslich die geringen Mengen an hochradioaktiven Abfällen. Im Gegensatz zu den riesigen Bergen der erstgenannten Stoffe können die nuklearen Abfälle sicher in geologischen Tiefenlagern von der Biosphäre ferngehalten werden.

 

 

Bei der anschliessenden Führung durch das Axporama ging es um das Thema „Bevölkerungsentwicklung und Klimawandel“ sowie „alternative Energien“. Danach wurde beim Imbiss angeregt über Erkenntnisse und Ungewissheiten weiterdiskutiert.

Kurt Wyss

Vorsitzender Regionalgruppe AG/SO

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Schlusswort

Die Entsorgung ist ein Generationenprojekt

Die Regionalkonferenzen beschäftigen sich nun seit einigen Jahren mit der Frage der Entsorgung der nuklearen Abfälle. Mit dem laufenden Sachplanverfahren startete die Diskussion über die Realisierung der Tiefenlager. In den vergangenen Jahren wurden wesentliche Fortschritte erzielt. Dies auch dank dem Einsatz unserer Vera-Mitglieder in den verschiedenen Gremien.

Wir wollen keine politische Lösung, sondern den sichersten Standort. Für den kämpfen wir !

Es ist und bleibt eine wichtige Aufgabe, sich für eine sichere Lösung der bereits heute vorhandenen Abfälle einzusetzen. Ein Aufschieben oder Abschieben ins Ausland ist keine Option. Auch viele Kritiker der Kernenergie, welche sich mit der Entsorgung der Abfälle beschäftigen, kamen zur Einsicht, dass eine Lösung gefunden werden muss. Die grössten Herausforderungen bestehen bei Personen, welche sich nicht mit dem Thema auseinandersetzen.

Die Entsorgung der radioaktiven Abfälle ist eine Aufgabe, die mehrere Generationen beschäftigen wird. Wir werden uns deshalb weiterhin engagieren, das Thema anzusprechen und mit unserem Wirken dazu beitragen, dass eine Lösung zeitnahe erarbeitet werden kann. Dazu gehört auch, die nächste Generation noch stärker in den Prozess einzubinden.

Motivieren & Informieren

Wir versuchen in den nächsten Jahren mit speziellen, regionalen Informationsveranstaltungen die jüngere Generation zu motivieren, sich aktiv in das Verfahren des Sachplans „geologisches Tiefenlager“ einzubringen. Dazu können Anlässe, Besichtigungen, Ausstellungen, Fachreferate aber auch Unterlagen in kurzer, einfacher und prägnanter Form dienen.

Die Entscheide in zehn, zwanzig oder mehr Jahren treffen unsere Jungen. Wir versuchen, diese vermehrt in die wichtige Umweltfrage einzubeziehen. Ob und wie gut uns das gelingt, ist offen. Aber wir bleiben dran!

Ich freue mich, Sie wieder an unseren Veranstaltungen zu treffen. Wir informieren Sie rechtzeitig über unsere Aktivitäten.

Ich wünsche Ihnen eine schöne Advents- und Weihnachtszeit und einen guten Rutsch ins neue Jahr!

Euer Kurt Wyss

Agenda

Wind sind präsent an der Informationsveranstaltung des BFE zur Vernehmlassung der Etappe 2.

11. Januar 2018 von 19-21 Uhr in der Fachhochschule Technik in Brugg.