Felsen

Newsletter 3/2017

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Christian Heydecker

heydecker@heydecker-tektas.ch

Vizepräsident Forum Vera

Die nächste Aufstellung

Jede Mannschaft kommt einmal ins Alter. Dies gilt auch für die Akteure im Entsorgungsprogramm.

 

Die Entsorgung der radioaktiven Abfälle ist ein Mehrgenerationenprojekt. Mit dem laufenden Sachplanverfahren startet in den möglichen Standortregionen auch die Diskussion über die Realisierung eines Tiefenlagers. In der nächsten Phase wird es noch konkreter. Es geht um die Ausgestaltung der Oberflächenanlagen. 

 

Die Regionalkonferenzen arbeiten nun seit rund acht Jahren. Es wurden wesentliche Fortschritte erzielt. Auch dank dem Einsatz unserer Mitglieder. Die Mehrheit der über 100 Teilnehmenden der Regionalkonferenz wird jedoch zum Zeitpunkt der Realisierung den Ruhestand geniessen. Eigentlich erfreulich, haben sie dann doch noch mehr Zeit, sich mit dem Thema zu beschäftigen. Weniger erfreulich ist die Tatsache, dass jüngere Personen im Partizipationsverfahren zahlenmässig doch deutlich untervertreten sind.

 

Es ist und bleibt eine wichtige Aufgabe, sich für eine sichere Lösung der bereits heute vorhandenen Abfälle einzusetzen. Ein Aufschieben oder Abschieben ins Ausland ist keine Option. Auch viele Kritiker der Kernenergie, welche sich mit der Entsorgung der Abfälle beschäftigen, kamen zur Einsicht, dass eine Lösung gefunden werden muss. Die grössten Vorbehalte bezüglich einer Tiefenlagerung bestehen bei Personen, welche sich nicht mit dem Thema beschäftigen. 

 

Wir werden uns deshalb weiter engagieren, das Thema zu adressieren und mit unserem Wirken dazu beitragen, dass eine Lösung zeitnahe erarbeitet wird. Dazu gehört auch, die nächste Generation noch stärker in den Prozess einzubinden. Das Schlussspiel macht schlussendlich die Jungmannschaft. Ob und wie gut uns das gelingt, ist offen. Wir bleiben auch hier am Ball.

Markus Kägi

info@markus-kaegi.ch

Regierungsrat, Baudirektor Kanton Zürich

Sechs Fragen an…

Markus Kägi, Regierungspräsident Kt. Zürich


Herr Regierungspräsident Kägi, wie sind Sie zufrieden mit dem laufenden Sachplanverfahren und den beteiligten Akteuren?

Das langjährige und sorgfältige Sachplanverfahren für die Standortwahl der geologischen Tiefenlager bewährt sich. Die Zusammenarbeit zwischen den Institutionen funktioniert grösstenteils gut. Unsere konstruktive Kritik ist ein Beweis dafür: Wir Kantone bringen wo nötig Verbesserungsvorschläge und -forderungen ein. Im Sachplanverfahren bleibt genug Zeit, die notwendigen Korrekturen vorzunehmen.

 

Der Kanton Zürich hat in den vergangenen Jahren das Thema Grundwasser ins Zentrum der Diskussion um eine Oberflächenanlage gerückt. Über den neuerdings so genannten «strategischen Grundwasservorkommen» bestehen bereits heute Industrieanlagen oder Flughäfen mit Chemie- oder Tankanlagen. Welche realistischen Gefährdungsszenarien sehen Sie bei einem Tiefenlager, bei welchem nota bene fest verpackte radioaktive Abfälle transportiert werden?  

Alle Kantone (nicht nur Zürich, und auch die meisten Regionen) haben sich des Themas Grundwasser angenommen, nachdem die Nagra 2012 sämtliche 20 Vorschläge für Oberflächenanlagen (OFA) in allen sechs Standortregionen in den Grundwasserschutzbereich Au gelegt hatte, obschon sie selber nur Platzierungen ausserhalb Au als «günstig» angesehen hatte. Dabei ging es den Kantonen nicht darum, ob eine OFA im Gewässerschutzbereich Au gebaut werden darf, sondern ob in solchen – insbesondere in strategischen Interessengebieten für die Trinkwasserversorgung – gebaut werden soll. Das ist Risikovermeidung in einer frühen Planungsphase und bei geringer Standortgebundenheit der OFAs, noch lange vor irgendwelchen Risikoanalysen mit Gefährungsszenarien. Für Zürich hat dies der Regierungsrat bereits 2012 so festgehalten. Schliesslich geht es konkret um die Trinkwassergewinnung für über anderthalb Millionen Zürcherinnen und Zürcher aus den drei Grundwasserschutzarealen Rheinau, Rafzerfeld und Weiach als Teil einer gesamtkantonalen Ringleitung. Diese gilt es langfristig und vollumfänglich zu sichern. Eine OFA kann ausserhalb gebaut werden. Dagegen sind andere Bauten (beispielsweise der Rangierbahnhof Limmattal) standortgebunden. Falls es am Schluss keine weiteren Möglichkeiten geben sollte, hat sich der Kanton nie grundsätzlich gegen einen Bau im Au-Bereich gestellt.

 

Sicherheit hat erste Priorität, da besteht bei allen Interessengruppen Konsens. Es ist aber auch naheliegend, dass eine «Heiligsprechung» des Grundwassers dazu führt, dass der Handlungsspielraum eingeschränkt und eine Oberflächenanlage sichtbarer wird – zum Nachteil aller Anwohner. Wie trägt der Kanton dem Anliegen der regionalen Bevölkerung Rechnung, dass sich eine Anlage in die Landschaft einbetten lässt?

Gemäss Bundesverfassung sind die Kantone zuständig für die Raumplanung. Nutzungskonflikte sind unumgänglich; «Grundwasser» an sich ist kein Tabu. Dass Kanton, Nagra und Standortregionen konstruktiv zusammenarbeiten können, haben alle in Zürich Nordost bewiesen.

 

Der Kanton fordert mehr Ressourcen. Beschränken sich diese vor allem auf raumplanerische Aspekte oder müssen durch den Kanton auch sicherheitstechnische Fragen geklärt werden?

Sicherheitstechnik hat prioritären Stellenwert! Im September 2017 hat der Ausschuss der Kantone (AdK), dem ich vorsitze, seine Stellungnahme zu Etappe 2 des Sachplans veröffentlicht (34 Seiten mit 17 Empfehlungen). Bestandteil ist als Anhang der Fachbericht seiner technischen Experten (mit fünf Gutachten 380 Seiten stark, entspricht AdK-Empfehlungen 5-7 mit zusätzlichen 12 Teilempfehlungen).

 

(Falls auch sicherheitstechnische Fragen geklärt werden) > für die Überprüfung der Sicherheitsfragen zeichnet das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat (ENSI) verantwortlich. Welche ergänzenden Arbeiten sind notwendig?

Das ENSI ist die nukleare Aufsichtsbehörde des Bundes. Die Kantone haben alles Interesse daran, ihm auf die Finger zu schauen. Schliesslich wird ein Tiefenlager auf dem Gebiet eines Kantons gebaut, weder am Sitz des ENSI noch des verfahrensleitenden Bundesamts für Energie. Neben den thematischen Empfehlungen seiner Fachleute empfiehlt der AdK, der Einhaltung wissenschaftlich-technischer Standards insbesondere auf dem Gebiet der Geomechanik, der Methodik (Sicherheitsnachweis) sowie der entsprechenden behördlichen Überwachung verstärkt Beachtung zu schenken. Weiter sollen in Etappe 3 standortspezifische Lagerkonzepte (mit Alternativen, einschliesslich Rückholbarkeit der Abfälle) als Basis für die jeweiligen bautechnischen Referenzprojekte (mit konkreter Lagerauslegung) entwickelt werden. 3

 

Die Interessen der Kantone und der Standortregionen sind nicht immer kongruent. Wie unterstützt der Kanton Zürich konkret die direkt betroffenen Infrastrukturgemeinden, damit schlussendlich eine möglichst vorteilhafte Lösung realisiert würde und die kleinen Gemeinden in diesem langen und komplexen Verfahren nicht erdrückt werden?

Kantonale und regionale Interessen sind in der Tat nicht immer identisch. Bei der Platzierung der OFA (siehe oben) hat der Kanton Zürich einzig und allein die genannten strategischen Interessengebiete für die Trinkwasserversorgung als Ausschlusskriterium gesetzt. Im Übrigen hatten die Regionen weitgehend freie Hand. Im weiteren Verlauf des Prozesses gilt es zweierlei abzuwägen: Einerseits kommt den (kleineren, aber zentralen) Infrastrukturgemeinden eine besondere Stellung zu in ihrer grösseren Betroffenheit, anderseits muss parallel dazu die Teilnahme der breiten Bevölkerung und weiterer Betroffener sichergestellt werden (damit die regionale Partizipation ihren Zweck erfüllen kann). Wie bisher wird der Kanton Zürich die direkt betroffenen Gemeinden und ihre Bevölkerung unterstützen.

 

Das Interview wurde schriftlich geführt.

Matthias Knill

matthias.knill@konsulenten.ch

Mitglied Forum Vera und Leitungsgruppe Regionalkonferenz ZNO

 

Gemeinsam für eine sichere und akzeptable Lösung

Was haben der Flughafen Zürich, die Chemiewerke in Basel, das Kernkraftwerk Gösgen oder das Zwischenlager für radioaktive Abfälle gemeinsam? 
Sie alle liegen über wichtigen Grundwasserreserven. Im Gegensatz zu einer Oberflächenanlage eines Tiefenlagers wird jedoch bei diesen Infrastrukturanlagen mit flüssigen Schadstoffen hantiert. Trotzdem wurden sie bewilligt und können heute betrieben werden.

Bauen über Grundwasserträgern ist nichts Aussergewöhnliches. Es bestehen bewährte Technologien und Methoden, welche sicherstellen, dass es zu keinen Verunreinigungen des Grundwassers kommt.

 

Niemand zweifelt daran, dass unser Grundwasser von strategischer Bedeutung ist. Es darf nicht gefährdet werden. Niemand kann aber ein plausibles Szenario beschreiben welches darlegt, wie bei einem Tiefenlager das Grundwasser stärker gefährdet wird, als dies bei einer konventionellen Untertageanlage der Fall ist. Nochmals, die Abfälle werden in festem Zustand angeliefert und entsorgt. Sie müssten absichtlich verflüssigt werden, um das Grundwasser zu gefährden.

Widerstandorganisationen und Gegner einer Tiefenlagerung reiben sich die Hände. Mit der „Heiligsprechung“ des Grundwassers wird die Oberflächenanlagen sichtbar und damit das Tiefenlager zum Thema. Weshalb? Grundwasserzonen befinden sich topografisch in der Ebene. Muss man ihnen aufgrund von „politischen“ Auflagen ausweichen, so ist eine Platzierung der Oberflächenanlage auf einer Anhöhe zwingend. Die Bauten werden damit einsehbar - zum Missfallen einer Standortregion.

 

Die Interessen einer Standortregion und des Kantons sind nicht immer kongruent. Dies bestätigt auch der Regierungsrat (vgl. Interview mit Regierungsrat Markus Kägi in diesem Newsletter).
Es wäre schön, falls sich auch der Kanton daran erinnert, was in den Grundlagen und Grundrechten der Verfassung festgehalten ist: Der Kanton anerkennt die Selbstständigkeit der Gemeinden (Art. 1) und staatliches Handeln muss im öffentlichen Interesse liegen und verhältnismässig sein (Art. 2).

 

Sicherheit steht an oberster Stelle. Niemand hat hier Zweifel. Um eine langfristige Sicherheit von hochaktiven Abfällen zu gewährleisten, brauchen wir eine geologische Tiefenlagerung. International besteht diesbezüglich Konsens. Mit dem laufenden Sachplanverfahren kommen wir diesem Ziel immer näher. Jetzt geht es darum, eine möglichst verträgliche und verhältnismässige Lösung zu erarbeiten. Alle Akteure im Verfahren sollten sich auch daran orientieren. 

Jürg Naef

juerg.naef@shinternet.ch

Mitglied Forum VERA

Von Laien und Experten

Als im Herbst 2011 die Regionalkonferenz Zürich Nordost gegründet wurde, bildete sich eine stattliche Gruppe von Personen aus Organisationen, Gemeinden aber auch Privaten und Interessen-Vertreter. Je nach persönlichen Kenntnissen, Interessen oder Tätigkeit in einem bestimmten Gebiet, hat konnte man sich für eine der drei  Fachgruppe Oberflächen-Anlage (OFA), Sicherheit, und sozio-ökonomisch-ökologischen Wirkungsstudie (SÖW) anmelden.

In der Regionalkonferenz wird regelmässig über die laufenden Arbeiten der Fachgruppen informiert. An diesen Anlässen, zu denen die NAGRA, das BFE und weitere Organisationen dazu kommen, wurde über die Fortschritte, Forderungen an die Verantwortlichen, Kritiken, Aufgaben etc.  diskutiert und grundlegende Entscheidungen getroffen.

Jene, die engagiert und aktiv in den Fachgruppen mitgearbeitet hatten, konnten sich so sukzessive immer mehr Wissen aneignen, wurden hervorragend dokumentiert und mit Literatur ausgerüstet. Dazu kamen auch Zusammenkünfte vor Ort, Demonstrationen von wissenschaftlichen Arbeiten wie Bohrungen, Vorträge von Experten und Schulungen mit Spezialisten, organisiert durch das BFE, das ENSI oder die NAGRA.

 

In den sechs Jahren konnten sich die Mitglieder der Fachgruppen so ein grosses Wissen aneignen und dieses auch durch Fachbesuche im Ausland erweitern.

 

 

Sind wir nun schon Experten?

Nein, mit Sicherheit nicht, denn ein Experte ist ein sachkundiger, erfahrener Fachmann oder Spezialist mit einem überdurchschnittlichen, umfangreichen Wissen. Laien sind dagegen Berufsleute aus verschiedenen Richtungen, die interessiert sind, das Geschehen durch Aneignung von Wissen, durch das Studium von Unterlagen, durch aktive Beteiligung an den Sitzungen der Fachgruppen und an der Regionalkonferenz das Wissen zu verbreitern. Wir sind aber auch bereit, Zeit für die Weiterbildung, die angeboten wird, zu investieren und damit auch in der Lage sind, mitzureden und zu entscheiden.

Radioaktive Abfällen müssen über Generationen sicher entsorgt werden. Unsere Gesellschaft ist verpflichtet, eine gute Lösung vorzubereiten. Aufgrund der langen Zeiträume müssen sich aber auch unsere Nachkommen mit der Aufgabe beschäftigen. Deshalb müssen sie sich vom Entsorgungskonzept überzeugen und weitere Optimierungen mitgestalten.

Wir, die seit Beginn dabei sind, müssen das Interesse, die Verantwortung und die Bedeutung in der Weiterentwicklung der wichtigen Entscheide für die kommenden Jahre weitergeben und unser heutiges Wissen übertragen. Auch das ist eine Aufgabe des Forum Vera.

Hans Ulrich Schmid

schmidhs@yahoo.com

Mitglied Forum Vera und Fachgruppe Sicherheit
Regionalkonferenz ZNO

Die Erstellung eines geologischen Tiefenlagers ist eine Aufgabe der nächsten Generation

Zeitplan / Organisation / Prozessstand

Am Verfahrensprozess ‚Sachplan geologisches Tiefenlager‘ wird schon lange gearbeitet und er wird uns noch lange beschäftigen. Als Beispiel verdeutlicht dies der Zeitplan für die Planung, Erstellung und Betrieb eines HAA-Lagers (hochaktive Abfälle):

 

Bild

Quelle: http://www.nagra.ch/de/woentsorgen.htm


Die Regionalkonferenz Zürich Nordost (RK ZNO) begleitet seit dem Jahr 2011 aktiv den Verfahrensprozess für die Erstellung eines geologischen Tiefenlagers und verfügt über ein Mitspracherecht. Sie ist breit abgestützt, kommen doch deren Mitglieder (Vertreter aus Gemeinden, Politik, Wirtschaft, Umweltverbänden sowie Personen mit und ohne Interessenbindung) aus der Region Weinland und angrenzender Gebiete (inkl. Deutschland). Organisatorisch gliedert sich die RK wie folgt:

  • Vollversammlung
  • Leitungsgruppe
  • Fachgruppen: FG-Sicherheit; FG-Oberflächenanlagen (OFA), FG-Sozioökonomische-ökologische Auswirkungen (SÖW).

Derzeit läuft die 2. Etappe, welche Ende 2018 abgeschlossen sein wird. Das Durchschnittsalter der Vertreter/innen in der RK dürfte über 55 Jahre betragen.

 

Welche entscheidenden Schritte stehen bevor?

  • Mit dem Abschluss der 2. Etappe des Sachplanverfahrens wird der Bundesrat Ende 2018 die drei möglichen Standortgebiete für ein geologisches Tiefenlager (Zürich Nordost, Jura Ost, und Nördlich Lägern) auf je zwei Standorte für ein SMA- (schwach- und mittelaktive Abfälle) sowie HAA-Lager (hochaktive Abfälle) einengen.
  • Der Start der 3. Etappe beginnt anfangs 2019 und wird voraussichtlich im Jahr 2029 mit
  • - dem definitiven Standortentscheid und
    - der Rahmenbewilligung für den Bau eines Tiefenlagers
    durch den Bundesrat und das Parlament abgeschlossen.
  • Um den neuen Anforderungen der 3. Etappe gerecht zu werden, wird die Organisations-struktur der Regionalkonferenz entsprechend angepasst.
  • Als weitere massgebliche Schritte folgen:
    - die Baubewilligungen (für SMA-Lager: ca. im 2045; für HAA-Lager: ca. im 2050)
    - der Bau der Tiefenlager (für SMA: ab 2045; für HAA: ab 2050)
    - die Einlagerung der nukleraren Abfälle (SMA: ab ca. 2050; HAA: ab ca. 2060)

 

Welche Schlussfolgerungen ergeben sich daraus?

Aus dem Entsorgungsverfahren, welcher über 40 Jahre dauert, ist klar ersichtlich, dass

  • sich die Standortfrage für ein Tiefenlager spätestens ab dem Jahr 2019 (dem Beginn der 3. Etappe) immer mehr konkretisiert.
  • es sich ohne Zweifel um ein Generationenprojekt handelt.
  • das Know-how über die gesamte Projektdauer sichergestellt werden muss.
  • eine Verjüngung in der Leitungs- und Fachgruppe/n zwingend erforderlich ist.

 

Wie kann das Interesse sowie die Mitwirkung der ‚jüngeren‘ Generation geweckt und sichergestellt werden?

Wie bereits erwähnt, dürfte das Durchschnittsalter in den verschiedenen Gruppen der Regionalkonferenz über 55 Jahre liegen. Hinsichtlich der noch sehr langen Verfahrensdauer von über 40 Jahren muss deshalb rasch für eine deutliche Verjüngung gesorgt werden. Diese Problematik kann ansatzweise wie folgt gelöst werden:

 

Verantwortung übernehmen

In der Pflicht stehen alle mit dem Thema ‚Sichere Entsorgung von radioaktiven Abfällen‘ betroffenen Instanzen, d.h.

  • prioritär die Gemeinden der Standortregion inkl. angrenzender Gebiete, Kantone sowie die Regionalkonferenz
  • sekundär die Parteien sowie Institutionen, wie auch das Forum Vera.

 

Motivieren / Informieren

Mit speziellen kommunalen und regionalen Informationsveranstaltungen ist die jüngere Generation zu motivieren, sich aktiv in der 3. Etappe des Sachplans geologisches Tiefenlager einzubringen. Dazu können Besichtigungen, Ausstellungen, Fachreferate aber auch vorhandene / neu zu erstellende Unterlagen in kurzer, einfacher und prägnanter Form dienen. Den Gemeinden, Institutionen, etc. stehen alle Unterlagen - in einem Pool gesammelt - zwecks Abgabe an die Einwohner oder Verwendung an Gemeindeversammlungen / Veranstaltungen, usw. zur Verfügung. Zudem sind Fachpersonen zur Unterstützung bereit zu stellen.

  • Mit Veranstaltungen und Informationen in den Gemeinden sowie der Region ist das Interesse / die Mitwirkung von jüngeren Personen zu wecken und zu fördern.

 

Handeln

In der 3. Etappe des Sachplans geologisches Tiefenlager konkretisiert sich schrittweise die definitive Standortregion aber auch der Standort der Oberflächen- und Nebenanlagen. Damit verbunden sind neue Heraus- und Anforderungen, welche eine Anpassung der RK-Organisationsstruktur erfordern. Gleichzeitig gilt es, das Know-how und die Kontinuität für die Zukunft sicherzustellen. Aus diesem Grund muss möglichst frühzeitig das Interesse von jüngeren Personen geweckt und deren Mitwirkung erreicht werden.

 

Das Forum Vera ist sich der Verantwortung bewusst und bereit, die Herausforderung anzunehmen. Aktuell laufen Vorbereitungsarbeiten für Workshops und Informationsveranstaltungen, welche nächstes Jahr speziell für jüngere und potenzielle neue Mitwirkende am Generationenprojekt ‚Sachplan geologische Tiefenlager‘ durchgeführt werden.

Um die nicht einfache Zielsetzung ‚Verjüngung‘ zu erreichen, sind aber auch der Bund , die Kantone, Gemeinden, Institutionen und nicht zuletzt auch die NAGRA in der Pflicht, mithelfen. Konkret heisst dies,

  • ein koordiniertes Vorgehen auf allen Stufen ist aktiv anzugehen.

Es ist eine Pflicht der heutigen Generation, die Aufgaben an eine nächste Generation zu übergeben, damit eine sichere und verantwortungsvolle Lösung realisiert wird. 

Packen wir es an.

Monika May

monika-may@bluewin.ch

Mitglied Forum Vera und
Fachgruppe Oberflächenanlage
Regionalkonferenz ZNO

Zu Besuch im grössten Bergwerk der Schweiz

Bei strahlendem Oktoberwetter nahmen gut 20 Personen an der diesjährigen Herbstveranstaltung im Bergwerk Käpfnach teil. Käpfnach ist ein ehemaliges Braunkohle- und Mergel-Bergwerk in Horgen am Zürichsee. Mit einer Gesamtlänge von 80 km ist es das grösste seiner Art.

Unser Bergwerkführer, der Mediensprecher der Kapo Zürich, Ralf Hirt, fesselte uns mit kurzweiligen und anekdotischen Informationen über den Kohleabbau.

 

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In einem schwarz-weiss Dokumentarfilm aus der Zeit der letzten Abbauphase während des 2. Weltkriegs wurde eindrücklich gezeigt, unter welch schwierigen, heute nicht mehr vorstellbaren Bedingungen die Kohle abgebaut wurde.

 

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Nach dem Ausfassen der Helme (was sich wegen der niedrigen Stollenhöhe für einige der Teilnehmenden als sehr wertvoll erwies!) kam der Höhepunkt unseres Besuchs: die rund 1 Kilometer lange Fahrt mit der Stollenbahn. Auch ein kurzer Fussmarsch in den niedrigen Stollen zu einem Abbauschlitz gehörte zum Programm. So wurde allen Teilnehmenden deutlich, wie hart die Arbeiter dazumal ihr Brot verdienen mussten.

 

 

Die spannende und informative Herbstexkursion unter Tage fand einen Abschluss mit einem kleinen Imbiss im Weinbaumuseum Au.

 

 

Agenda

 

Wir sind präsent an der Informationsveranstaltung  des BFE zur Vernehmlassung der Etappe 2 am 17.1.2018 von 19 - 21 Uhr im AZA Andelfingen.

 

Für den Frühling / Sommer 2018 planen wir eine spannenden Exkursion in den Hegau zum Thema Vulkanismus und Tiefenlager.

 

Wir halten Euch informiert.