Felsen

Newsletter Nr. 2/17

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Gabriela Winkler

Vizepräsidentin Regionalkonferenz Nördlich Lägern

info@forumvera.info

Editorial

Vorbereitungen der 3. Etappe des Sachplanes geologische Tiefenlager

Die 2. Etappe des Sachplans neigt sich ihrem Ende zu. Insbesondere in Nördlich Lägern laufen die Abschlussarbeiten auf Hochtouren. Das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat (ENSI) hat am 18. April sein «Sicherheitstechnisches Gutachten zum Vorschlag der in Etappe 3 SGT weiter zu untersuchenden geologischen Standortgebiete» veröffentlicht. Darin untermauert es seine schon im Dezember 2016 kommunizierte Empfehlung, nicht nur Zürich-Nordost und Jura Ost in der 3. Etappe weiter zu untersuchen, sondern auch Nördlich Lägern. Die Fachgruppe Sicherheit befasst sich intensiv mit dem Bericht des ENSI und einigen der zahlreichen Expertengutachten, die in diesem Zusammenhang verfasst wurden. Der Schlussbericht der Regionalkonferenz wird mit einem «update» ergänzt, welches die Entwicklung seit dem Januar 2016 aufzeigen wird.

Gleichzeitig sind Delegationen der Regionalkonferenzen Jura Ost, Zürich Nordost und Nördlich Lägern unter der Leitung des Bundesamtes für Energie (BFE) daran, die Etappe 3 des Sachplanes vorzubereiten. 

Viel Zeit beansprucht die Erarbeitung eines Leitfadens für die Verhandlungen über allfällige Abgeltungen für die künftigen Standortgemeinden. Als Experte wurde Prof. Michael Ambühl, Leiter des Institutes «Verhandlungsführung» der ETH Zürich beigezogen. Der Leitfaden soll die Gespräche der Gemeinden mit den Entsorgungspflichtigen erleichtern. Starten werden die Verhandlungen erst, wenn die Nagra ihre Standortvorschläge für die Oberflächenanlage und Nebenzugangsanlagen sowie für das Lager im Untergrund vorlegt. 

3D-Seismik in Nördlich Lägern

Am 28. Januar 2017 fanden die letzten Messungen im Gebiet Nördlich Lägern statt. Die Auswertungen werden ca. 1 Jahr in Anspruch nehmen. Die Nagra hat im Hinblick auf das im April eingetroffene Gutachten des ENSI diese Untersuchungen vorgezogen, um möglichst keine Zeit zu verlieren. Die Nagra untersucht mit der Methode der Reflexionsseismik den Untergrund.

Für die Messungen wurden so genannte Geophone ausgelegt. Sie wandeln die Bodenschwingungen in Spannungssignale auf, welche in Computern aufgezeichnet werden.

 

Vibrationsfahrzeuge erzeugen seismische Wellen, die sich im Untergrund ausbreiten. Sie werden an Grenzflächen unterschiedlicher Gesteinsschichten reflektiert und gebrochen. Ein kleiner Teil des reflektierten Wellenfeldes gelangt zurück zur Erdoberfläche. Seine Energie und der zeitliche Einsatz der Wellenbewegung wird dort mit Geophonen registriert. Die aufgezeichneten Daten werden aufbereitet. Am Schluss liegt ein Seismogramm vor, aus dem sich dann feststellen lässt, in welcher Tiefe Schichtgrenzen sind. Das Netz der sogenannten 3D-Seismik wird enger ausgelegt als bei der 2D-Seismik. Die gewonnenen Daten zeigen ein dreidimensionales Bild des Untergrundes und lassen auch kleinere Störungen des Gesteins erkennen. Bei der Platzierung des Lagers sind diese zu berücksichtigen.

20 Personen folgten der Einladung, die Seismikuntersuchungen im Feld
zu besuchen.


Vibrationsfahrzeuge

 

Fachgruppe Sicherheit: Gutachten des ENSI

Das Gutachten des ENSI bestätigt die meisten Aussagen der Nagra. Die bautechnische Machbarkeit wurde in allen Standortgebieten bestätigt. Das ENSI erachtet jedoch die Datenbasis für die Begrenzung der Tiefenlage und für den Nachweis eindeutiger Nachteile bei Nördlich Lägern als nicht belastbar. Es führt an, dass nur eine geringe felsmechanische Datenbasis vorliege und es noch zu wenige belastbare Laborkennwerte gebe.  Die standortspezifischen Daten würden fehlen. Diese müssen in Etappe 3 erarbeitet werden. Erst dann werde man wissen, ob die Tiefenlage in Nördlich Lägern tatsächlich ein eindeutiger Nachteil sei. Zudem ist das ENSI der Auffassung, dass die Nagra generell sehr konservative Annahmen getroffen habe und auch den Platzbedarf zu hoch ansetze.

Die Fachgruppe ist nun daran, das Gutachten und einzelne Expertenberichte insbesondere zur Tiefenlage zu studieren und den vorläufigen Schlussbericht von 2015 mit den neusten Erkenntnissen zu ergänzen. Selbstverständlich geht es weiterhin lediglich darum, die verschiedenen Überlegungen nach zu vollziehen. Die Fachgruppen der Regionalkonferenz können nicht Schiedsrichter sein.

Fachgruppe Oberflächenanlagen: Einengung auf einen Standort

Samuel Ramseyer vertritt das Forum VERA in der Fachgruppe Oberflächenanlagen

Die Vollversammlung hat 2015 beschlossen, der Nagra zwei «am wenigsten schlecht geeignete Standorte» für eine Oberflächenanlage vor zu schlagen: den von der Nagra ursprünglich ebenfalls als möglichen Standort bezeichneten NL2 in Weiach in einem Kiesabbaugebiet und den vom Kanton ins Spiel gebrachten NL6 in Stadel-Haberstal. Auf Wunsch des Bundesamtes für Energie umfasst der Leistungsauftrag für 2017 unter anderem die Einengung auf einen Oberflächenstandort noch vor Abschluss der Etappe 2 des Sachplanes.

 

Mitgliederversammlung 2017 des Forum VERA

Anlässlich der Mitgliederversammlung des Forum VERA in Zürich am 19. Juni wurde Barbara Franzen, Mitglied der Regionalkonferenz Nördlich Lägern und Kantonsrätin aus Niederweningen in den Vorstand gewählt. Wir gratulieren ihr herzlich zu dieser Wahl und wünschen ihr viel Freude und Erfolg im neuen Amt.

 

Broschüre «Umgang mit Radioaktivität»

An der Mitgliederversammlung lag auch die neuste Schrift des Forum VERA auf. Gemäss einer repräsentativen Umfrage des BFE aus dem Jahr 2013 fühlen sich 63% der Befragten über radioaktive Abfälle zu wenig informiert. 47% glauben, dass sie Schweiz radioaktive Abfälle immer noch im Meer versenkt. 71% der Befragten wissen, dass es drei verschiedene Abfallkategorien (schwach-, mittel- und hochaktive Abfälle) gibt. Kenntnisse darüber, welche Wirkungen diese Strahlen haben, sind weit weniger verbreitet. Die Broschüre „Umgang mit Radioaktivität“ will interessierten Bürgerinnen und Bürgern das Wesen radioaktiver Stoffe näherbringen, aufzeigen, wie sich Wissen und Strahlenschutz seit der Entdeckung dieses Naturphänomens durch Pierre Becquerel und Marie Curie entwickelt haben. Interviews mit Dr. Walter Rüegg, ehemaliger Chefphysiker der Schweizer Armee und Dr. Rosa Sardella, Mitglied der Geschäftsleitung des ENSI beantworten Fragen, die immer wieder gestellt werden und Menschen umtreiben.

Sie können die Broschüre bei info@forumvera.info bestellen.

 

Einladung

Sinn und Zweck der Quartäruntersuchungen im Wehntal und Besuch des Mammutmuseums in Niederweningen

am Freitag, 8. September 2017

Im Frühjahr hat die Nagra im Wehntal 2-D-Seismik-Messungen durchgeführt. Lockergesteinsablagerungen aus dem Quartär – dem jüngsten geologischen Zeitabschnitt, der seit ca. 2,5  Millionen Jahren andauert – geben Hinweise zu vergangenen Erosionsprozessen und tektonischer Aktivität. Was es genau damit auf sich hat, wollen wir an einer Spätsommerveranstaltung herausfinden.

 

Programm

16.45 Uhr   Treffpunkt Mammutmuseum, Im Mitteldorf 1,
                     8166 Niederweningen

17.00 Uhr   Abfahrt mit Kleinbus zur Feldbesichtigung
                    mit Dr. Herfried Madritsch, 
                    Projektleiter Quartärbohrungen, Nagra

                     –  Endmoräne bei Schöfflisdorf
                     –   Oberweniger Platten

18.30 Uhr   Rückkehr zum Mammutmuseum

18.45 Uhr   Führung durch das Museum durch Dr. Heinz Furrer,
                     Mammutmuseum

19.30 Uhr   Imbiss mit gemütlichem Zusammensitzen im Restaurant
                    «Zum weissen Kreuz», Gupfenstrasse 22, 8166 Niederweningen

Anmeldungen erbeten bis zum 4. September 2017 an info@winklercom.ch
Unkostenbeitrag (wird vor Ort erhoben): CHF 20.00