Felsen

Newsletter 1/2017

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Christian Heydecker

heydecker@heydecker-tektas.ch

Vorstandsmitglied Forum Vera

Politik und Partizipation: Miteinander, gegeneinander oder füreinander?

Wir nähern uns dem dritten und letzten Abschnitt der Wegstrecke zu einem sicheren Tiefenlager für die radioaktiven Abfälle. Langsam erhöht sich die Temperatur, der "Druck im Kessel" steigt, die Interessenvertretung wird dezidierter. Wer hält das Heft fortan in der Hand? Die Partizipation, handelnd durch die Regionalkonferenz? Oder die Politik, handelnd durch die betroffenen Gemeinden?

 

Problematisch am Institut der Regionalkonferenz ist die fehlende demokratische Legitimation. Tendentiell sind die lauten sprich: kritischen Stimmen übervertreten. Wer der schweigenden, zustimmenden Mehrheit angehört, verspürt weniger das Bedürfnis, sich in der Öffentlichkeit zu engagieren und sich damit zu exponieren. Kritischen bzw. sogar militanten Gegnern einer Sache fällt dies bedeutend leichter. Aus dieser Sicht ist absolut nachvollziehbar, dass sich die Politik und damit die Gemeinderäte der betroffenen Gemeinden stärker in den Vordergrund stellen: Sie sind demokratisch legitimiert und auch regelmässig nur der Sache verpflichtet. Die Regionalkonferenz ist weiterhin notwendig, konkrete Aufgaben wie die Raumplanung und die Begleitung der Bohrungen sind jedoch eine Aufgabe der direkt betroffenen Infrastrukturgemeinden.

 

Insofern scheint mir die Rollenverteilung im letzten Abschnitt des Sachplanverfahrens klar zu sein. Die Führung des Prozesses muss stärker in die Hände der betroffenen Gemeinden gelegt werden. Das Gefäss der Regionalkonferenz bleibt aber weiterhin wichtig, um gleichsam der Bevölkerung den Puls zu fühlen und den Gemeinden als Frühwarnsystem zu dienen. Insofern wird sich die Regionalkonferenz mit einer eher zuarbeitenden, denn einer bestimmenden Aufgabe anfreunden müssen. Damit der sicherste und beste Standort für ein Tiefenlager gefunden wird.

 

Monika May

monika-may@bluewin.ch

Mitglied Forum Vera und
Fachgruppe Oberflächenanlage
Regionalkonferenz ZNO

Wie rasch ist rasch genug?

Man ist sich einig: Sicherheit steht bei der Entsorgung unserer radioaktiven Abfälle an erster Stelle.

Ein Lager muss erst in Jahren realisiert werden. Es bleibt noch viel Zeit, um eine möglichst sichere Lösung zu erarbeiten. Optimierungen einer Anlage sind wünschenswert. Sie dienen auch dazu, dass ein Tiefenlager akzeptiert wird.

Zeitnahe eine Lösung zu schaffen, erhöht die Sicherheit. Es besteht damit eine Option, die Abfälle langfristig von der Menschheit und der Umwelt fern zu halten. Auf der ganzen Welt sind sich die Spezialisten einig, dass nur ein geologisches Tiefenlager einen langfristigen Schutz garantiert.

Wie sich unsere Gesellschaft verändert, ist schwierig voraus zu sagen. Wie friedlich bleibt es in Europa? Haben wir in 50 Jahren noch ausreichend Geld und Ressourcen? Macht die Technik weitere Fortschritte, welche neue Konzepte einer Entsorgung ermöglichen?

Niemand weiss, ob sich unsere Welt nur erfreulich entwickelt. Was auch immer die Zukunft bringt, es erscheint sinnvoll, eine Lösung bereit zu haben. Deshalb setzen wir uns dafür ein, dass diese sorgfältig aber speditiv erarbeitet wird. Ob und wie die Entsorgung dann konkret realisiert wird, entscheidet eine kommende Generation.

Das Forum Vera versteht sich nicht als Entsorgungs-Turbo. Das Verfahren braucht angemessen Zeit. Unnötige und politisch motivierte Verzögerungen fördern jedoch nicht die angestrebte langfristige Sicherheit. 

 

Stephan Rawyler

Drei Fragen an…

Stephan Rawyler, Gemeindepräsident Neuhausen am Rheinfall und Mitglied der Leitungsgruppe Zürich Nordost

 

 

In der Etappe 3 wird es konkret. Welchen Anspruch zur Mitgestaltung hat die Gemeinde Neuhausen, welche direkt an die Infrastrukturgemeinden angrenzt?

 

Vorab ist klar zu definieren, was unter Infrastrukturgemeinden zu verstehen ist. Braucht es dazu konkrete Anlagen und Einrichtungen? Genügt die Tatsache, dass das Lager oder dessen Einrichtungen den Gemeindeboden tangieren? Oder reicht auch ein Sichtkontakt aus? Klar ist für mich, dass Gemeinden, die wesentliche Anlageteile und/oder grössere Teile des unterirdischen Lagers auf ihrem Gemeindegebiet haben, über die baurechtlichen, nicht sicherheitsrelevanten Planungsfragen entscheiden sollen, soweit dies das kantonale Recht und das Bundesrecht zulassen. Zwingend ist für mich, dass diese Gemeinden vorab angehört werden müssen, auch wenn sie für den Entscheid selbst nicht zuständig sein. Dies kann und soll die Regionalkonferenz nicht übernehmen. Ob und in welchem Umfang Neuhausen am Rheinfall Infrastrukturgemeinde ist respektive wird, ist noch offen. Zu beachten ist aber, dass es insbesondere kleineren Gemeinden wohl nicht zum Schaden gereicht, wenn diese auf das Know-how und die Unterstützung der Regionalkonferenzen zurückgreifen, wie dies auch der Sachplan vorsieht. Der Aufbau einer Parallelstruktur durch einzelne Gemeinden ist demgegenüber kaum zielführend und verursacht nur zusätzliche Kosten. Dem Rechtsfrieden dürfte es aber auch dienlich sein, wenn die bevölkerungsmässig starken Gemeinden Feuerthalen, Schaffhausen und Neuhausen am Rheinfall unter Berufung auf kaum haltbare Gründe aus dem Verfahrensprozess gedrängt werden. Sicherheit ist unteilbar, betrifft die ganze Region und ist das Kernstück der regionalen Partizipation! Denn die Akzeptanz für ein atomares Tiefenlager muss zu guter Letzt nicht nur in einer einzigen konkreten Gemeinde, sondern in der ganzen Region vorhanden sein.

 

Es geht in der Etappe 3 nicht nur um die Ausgestaltung einer Oberflächenanlage, sondern auch um substanzielle Abgeltungszahlungen. Was ist Ihnen bei diesem Thema wichtig?

 

Vorab ist wichtig, dass die Regionalkonferenzen sich so früh einbringen können, dass ihre Stellungnahme materiell noch einen Einfluss auf das weitere Verfahren hat. Alibiübungen brauchen wir nicht. Zentral ist, dass die Gewissheit besteht, dass das von der Nagra vorgesehene und vom Bundesrat bestätigte Gebiet effektiv der sicherste Ort für ein atomares Endlager ist. Zweifel hinsichtlich des ordnungsgemässen Ablaufs des Verfahrens dürfen gar nicht erst entstehen. Andererseits muss dafür Vorkehr gesorgt werden, dass die bei den weiteren Abklärungen gefundenen Ergebnisse unvoreingenommen geprüft und bewertet werden. Sollte es beispielsweise im noch zu erstellenden Felslabor zu Hinweisen auf geologische oder bautechnische Probleme kommen, dürfen diese nicht mit Blick auf allenfalls knapp werdende Finanzen der Entsorgungspflichtigen unter den Tisch gewischt werden. Ob und in welcher Höhe Abgeltungszahlungen erfolgen, ist im heutigen Zeitpunkt völlig offen. Aktuell sprechen die Versorgungspflichtigen von höchstens Fr. 400 Mio. Teilt man diese Summe beispielsweise auf 80 Jahre und fünf Gemeinden auf, bleibt eine relativ bescheidene Summe pro Gemeinde. Eine finanzielle Sanierung dieser Gemeinden ist daher wohl kaum möglich. Von "substantiellen Abgeltungszahlungen" kann somit, folgt man den Vorstellungen der Entsorgungspflichtigen, überhaupt nicht die Rede sein. Wer sich von finanziellen Reizen leiten lässt, dürfte eher früher als später ein böses Erwachen erleben. Entscheidend ist vielmehr, welche konkreten Massnahmen in der gesamten Region getroffen werden müssen, um die anerkanntermassen negativen Auswirkungen eines atomaren Endlagers möglichst gering zu halten. Hierfür haben die Diskussionen in den zuständigen Gremien noch nicht oder in für Aussenstehende noch kaum greifbarer Weise begonnen.

 

Der Kanton Schaffhausen hat einen Verfassungsauftrag, sich gegen ein mögliches Tiefenlager im Zürcher Weinland zur Wehr zu setzen. Gleichzeitig arbeiten Vertreter aus dem Kanton Schaffhausen in der Regionalkonferenz ZNO mit. Ist dies kein Widerspruch?

 

Gemäss Art. 1 des Gesetzes gegen Atommüll-Lagerstätten vom 4. September 1983 (SHR 814.500) sind die Behörden des Kantons Schaffhausen verpflichtet, mit allen rechtlichen und politischen Mitteln darauf hinzuwirken, dass auf Kantonsgebiet und dessen angrenzender Nachbarschaft keine Lagerstätten für radioaktive Abfälle errichtet und keine vorbereitenden Handlungen vorgenommen werden. Bereits bei der Annahme dieses Gesetzes war sowohl dem Regierungsrat des Kantons Schaffhausen als auch dem Schaffhauser Kantonsrat bestens bewusst, dass der Bund die Entsorgung radioaktiver Abfälle regelt. Die Schaffhauser Exekutiven haben daher dieses Gesetz stets so verstanden, dass sie sich in einen konstruktiven, aber durchaus kritischen Dialog einlassen dürfen und sollen. Das Gesetz verlangt nicht einen Widerstand um jeden Preis und mit allen Mitteln, sondern zielt darauf ab, dass die Schaffhauser Behörden gehalten sind, kritisch und aufmerksam den Prozess zu begleiten. Entsprechend bringen sich meine Kollegen aus den Schaffhauser Exekutiven und auch ich uns nicht als Störenfriede und prinzipielle Verhinderer ein, sondern als kritische Begleiter und Beobachter des Prozesses. In der Vergangenheit hat sich gezeigt, dass das Hinterfragen von Meinungen der Nagra auch aus Laiensicht sinnvoll und richtig ist. So waren insbesondere die Diskussion um das Grundwasser au, um die Auswirkung der Neuhauser Störung, der Einfluss der Gletscher und die Frage, ob die Beurteilung der Nagra für Nördlich Lägern sachlich begründet ist, wichtig. Nicht zuletzt auch aufgrund der kritischen Fragen der Regionalkonferenz Zürich Nordost hat das ENSI diese Fragenkomplexe näher geprüft. Wichtig ist, dass die Regionalkonferenz die Aussagen der Nagra nicht für bare Münze nimmt, sondern sich immer wieder aus Laiensicht fragt: Wurden die richtigen Fragen gestellt? Erfolgten die erforderlichen Prüfungen? Gibt es keine Alternativen? Ist das Vorgehen nachvollziehbar? Diese wichtige Aufgabe bleibt aktuell, so beispielsweise bei der Frage, ob bei einem radioaktiven Endlager zwingend eine "Heisse Zelle" gebaut werden muss oder ob es dazu sinnvollere Lösungen gibt. Weiterer Diskussion bedarf auch der Themenkreis "Rückholbarkeit" der unter der Erde gelagerten atomaren Abfälle.

Jürg Naef

juerg.naef@shinternet.ch

Mitglied Forum Vera und Regionalkonferenz ZNO

Transparenz schafft Vertrauen

Regionalkonferenz ist etabliert und arbeitet zunehmend professionell

 

Zum Zeitpunkt, als die Regionalkonferenzen gebildet wurden, waren wir mehrheitlich Laien. Die einen hatten etwas mehr, die anderes etwas weniger Fachwissen in das Gremium eingebracht. Heute ist die RK etabliert, selbst wenn jeweils nach Gemeinderatswahlen neue Leute dazu gekommen sind. Diese haben sich mehrheitlich rasch integriert.

 

Zur Bewältigung der zunehmenden Komplexität des Verfahrens und der Klärung der vielen technischen und wissenschaftlichen Fragen hat der Zuzug von professionellen Leuten geholfen. Das notwendige Wissen konnte zudem durch Kurse des BFE und der Nagra erweitert werden.

 

Die Etappen 1 und 2 sind jetzt weitgehend abgeschlossen, auch wenn noch die eine oder andere Frage nicht vollumfänglich beantwortet ist. Wir, die seit langem mitarbeiten, haben uns ein umfangsreiches Laien-Wissen angeeignet und können eines mit Überzeugung beantworten. Die Gremien haben, ungeachtet der Namen, hervorragende Arbeit geleistet und vermitteln ein Gefühl der Sicherheit auf dem Weg zu einem sicheren Tiefenlager. Wir produzieren nach wie vor tagtäglich radioaktiven Abfall und es ist unsere Aufgabe, den sichersten Ort dafür zu finden.

 

Schaffung einer neuen Organisation und Strukturen

In der Etappe 3 entstehen Aufgaben, die wesentlich stärker die betroffenen Gemeinden angehen und es sollen aus diesem Grunde Leute aus diesen Behörden in den Fachgruppen und in der Vollversammlung besser vertreten sein.

Dies kann man ohne weiteres akzeptieren und verstehen, allerdings bin ich der Meinung, dass man die bestehenden Gruppen nicht soweit dezimieren sollte, dass jahrelanges Wissen verloren geht. Begrüssenswert wäre eine bessere Mischung zwischen Älteren und Jüngeren, damit ein möglichst grosser Wissenstransfer stattfindet. Als guter Zuhörer stellt man jedoch fest, dass man nun die Regionalkonferenz umkrempeln will.

 

Es werden zunehmend externe Fachleute zugezogen, die an und für sich absolut wertvolle Unterstützung leisten können. Nun fragen sich aber zahlreiche der Mitglieder, wie werden diese selektioniert, was kosten diese Fachleute, wer entscheidet und wie werden die Mitglieder der Vollversammlung hier mit einbezogen? Die Vergabe von Projekten wird gegenüber der Regionalkonferenz nicht offen gelegt. Ebenso ist ja noch ein weiteres internes Gremium schon vor einiger Zeit auf Mandatsbasis geschaffen worden. Warum wird dies, inkl. Kosten, nicht an der Vollversammlung gezeigt, begründet und letztlich abgesegnet?

 

Die Bildung von neuen Gremien für Etappe 3 heisst, dass man die Fachgruppen verkleinern und dadurch eine höhere Effizienz nutzen kann. Auch die Vollversammlung sollte auf aktive Mitglieder, in erster Linie Mitglieder der Fachgruppen reduziert werden.


Zur Bewältigung aller auf uns zukommenden Aufgaben bedarf es auch Regeln. Diese sind gute Vorbereitung, Moderation und Dokumentation. Die Gremien oder Untergruppen sollten aus geeigneten Personen gebildet werden, die ihre Erfahrung aus den Fachgebieten mitbringen, am laufenden Prozess teilnehmen und sich weiterbilden.

 

Transparenz erhöht die Effizienz. Sie hilft bei der Wahl der richtigen Ansprechpartner und kann Doppelspuren vermeiden. Wichtig ist, und dies ist seit langem ein grosses Anliegen meinerseits, dass wir alle unser Wissen, das wir uns in den Jahren angeeignet haben, an Nachfolger in den Fachgruppen und in der Vollversammlung weitergeben. Der Zeithorizont, der uns immer wieder gezeigt wird, verlangt eine wesentlich höhere Transparenz, sie erfordert eine Organisation, die es jüngeren Leuten ermöglicht, einzusteigen.

 

Transparenz verhindert Gerüchte und Spekulationen. Dies gilt für alle Organisationen. Die Mitgliedschaft der Nagra bei der Dachorganisation des Forum Vera ist seit Jahren offen gelegt. Sie wurde nie verheimlicht. Ebenso wurde stets offen gelegt, dass die Mitglieder für ihr Engagement nicht entschädigt werden. Die Ziele des Forum Vera sind klar definiert und die Aktivitäten werden beschrieben und dargestellt. Eine solche Offenlegung wäre auch für die „Koordinationsgruppe Kanton Gemeinden“ angemessen. Laut den Schaffhauser Nachrichten vom 23.2.2017 verfolgt das Gremium einen Widerstandsauftrag. Was genau macht diese vom Kanton und den Gemeinden finanzierte Gruppe? Wer führt die Arbeiten aus? Was soll erreicht werden? Antworten darauf gibt es bis heute nicht.

 

Transparenz schafft Vertrauen. Dies gilt für alle am Verfahren beteiligten Gremien, auch der Regionalkonferenz.

 

Matthias Knill

matthias.knill@konsulenten.ch

Mitglied Forum Vera und Leitungsgruppe Regionalkonferenz ZNO

 

Notwendinger Widerstand?

Die Meldung lies aufhorchen: in Schaffhausen schufen der Kanton und die Gemeinden jüngst eine Arbeitsgruppe, welche sich dem Widerstand gegen ein mögliches Tiefenlager verschreiben hat. So zumindest beschreibt es Ende Februar die Schaffhauser Nachrichten. Bis heute wurde der Inhalt der Meldung nicht dementiert oder kommentiert. Anfragen, was die Gruppe genau macht, blieben unbeantwortet.

Es gibt nicht nur schwarz oder weiss. Dies gilt auch für den Widerstand gegen ein Tiefenlager.  Die Frage ist jedoch berechtigt, welche Form des Widerstands zielführend ist und wo die Grenzen gezogen werden müssen.

 

Widerstand als Druck gegen Kernenergie

 

Lange galt als Credo der Gegner eines Tiefenlagers: die Entsorgung muss blockiert werden, damit kein neuer Abfall entstehen kann. Die Situation hat sich nach dem Entscheid zum Ausstieg aus der Kernenergie fundamental geändert. Nur wenige Gruppierungen verknüpfen heute noch diese beiden Themen: ein Fortschritt.

 

Widerstand zur Optimierung

 

Der Bau eines Tiefenlagers ist ein Mehr-Generationenprojekt. Vieles kann und muss noch optimiert werden. Kritische Fragen aber auch konstruktive Vorschläge zur Optimierung sind gefragt. Auch in der Regionalkonferenz erleben wir Personen, welche sich beim besten Willen kein Tiefenlager in unserer Region wünschen, jedoch aktiv und auch mit kritischen Fragen dazu beitragen, dass in Richtung einer sicheren und verträglichen Entsorgungslösung gearbeitet wird: gut so.

 

Widerstand als Mittel zur Verhinderung

 

Wer „Kein Endlager im Weinland“ fordert, arbeitet nicht konstruktiv an einer Lösung mit. Es erstaunt deshalb nicht, dass zahlreiche Personen, welche diesem Leitmotiv folgen, der Regionalkonferenz nicht beitreten. Ein nachvollziehbarer Entscheid. Positiv zu werten ist hier, dass dieser Widerstand zumindest gradlinig daherkommt: immerhin.

 

Taktischer oder indirekter Widerstand

 

Die wohl unschönste Form des Widerstandes ist derjenige, der nicht deklariert wird.
Wer beispielsweise das Grundwasser nur aus taktischen Gründen als strategische Reserve (der Begriff wurde von ortsfremden Beamten speziell eingeführt) bezeichnet, um damit eine Oberflächenanlage gut sichtbar zu machen und damit den Widerstand zu fördern, der spielt ein taktisches Spiel.
Ebenso unschön wäre, den Abbruch zu provozieren. Der Landbote beschrieb dies am 6.2.2017 wie folgt: Was bezwecken die Gegner also wirklich? Sie wollen den Coup von 2006 wiederholen und den Suchprozess abermals gegen die Wand fahren. Dazu möchten sie den Kreis der mitbestimmenden Gemeinden keineswegs verkleinern. Im Gegenteil: Um den Widerstand gegen ein Endlager endlos weiterführen zu können, wünschen sie sich wohl, der Kreis würde auf die links –grünen Städte ausgedehnt. Auf Winterthur, Zürich und den Rhein hinab bis nach Basel. Ein Endlager würde so nie gebaut und der Atommüll läge weiter an der Erdoberfläche neben der Aare in Würenlingen. Kann man machen, sollte man aber nicht.

 

In den vergangenen 20 Jahren hat sich dem Bau eines Tiefenlagers vieles verändert. Auch dank Kritik. Die Reflexion und kritische Auseinandersetzung mit dem Thema Entsorgung ist in einem solchen Verfahren notwendig. Ein fundamentaler Widerstand jedoch wenig zielführend – die Abfälle sind leider vorhanden. Eine zeitnahe, aber sorgfältig erarbeitete Lösung zwingend erforderlich. 

 

 

Podiumsdikussion Tele D

Lebhaft wurde diskutiert, an einer Podiumsdiskussion des Tele D in Diessenhofen. Im Zentrum stand die Frage, welche Bedeutung die direkt betroffenen Infrastrukturgemeinden in der nächsten Etappe des Sachplanverfahrens haben.

 

Das Projekt Tiefenlager wird konkreter. In der Etappe 3 geht es nicht nur um Aspekte der Sicherheit und Sozioökonomie, sondern auch um ganz handfeste Themen. Es geht um die Planung und Realisierung von Bohrungen, der Ausgestaltung der Anlagen inklusive der Schachtkopfanlagen, Zufahren und Erschliessungen oder raumplanerische Fragen. Die Behörden der Infrastrukturgemeinden werden zunehmend zur Anlaufstelle der Bevölkerung.

Es erscheint nachvollziehbar, dass die direkt betroffenen Gemeinden sich in der nächsten Etappe stärker einbringen wollen und auch eine angemessene Entlastung und Unterstützung einfordern. 

Dies steht nicht in Konkurrenz zur etablierten Regionalkonferenz.

 

Thomas Burkhardt moderiert das Podium mit Markus Fritschi (Nagra), Stefan Jordi (BFE), Jürg Grau (Präsident Regionalkonferenz) und Martin Farner (Gemeindepräsident und Kantonsrat).
Als Zuschauer dabei waren auch einige Mitglieder der Regionalkonferenz und des Forum Vera.
Die Sendung ist auch verfügbar auf der Website des Tele D: www.tele-d.ch

 

Als Gemeindebehörde im Weinland auf eine ernsthaft gemeinte Unterstützung des Kantons Zürich zu hoffen, wäre blauäugig.

Mit Bestimmtheit wird uns die Frage der Organisation in Etappe 3 noch etwas beschäftigen. Alle Akteure bringen sich aktuell in Stellung, um ihre Interessen zu wahren. Die Forderungen der angrenzenden Gemeinden im Kanton Schaffhausen und aus Deutschland wurden schon deutlich gehört. Wer lauter  und rhetorisch geschliffener ruft, hat jedoch nicht immer Recht.

 

Das Verhalten der Akteure ist insofern nachvollziehbar, geht es doch in der nächsten Etappe auch um substanzielle Abgeltungen und Entschädigungen – obwohl darüber ungern gesprochen wird.

Es bleibt zu hoffen, dass die direkt betroffenen Infrastrukturgemeinden nicht über den Tisch gezogen werden und schlussendlich fremdbestimmt werden. Das BFE wird als verfahrensführende Behörde hier wichtige Entscheide fällen müssen. 

 

Kurz und bündig

Die Vollversammlung hat entschieden: die Kraft der Organisationen mit einem definierten Widerstandauftrag wird in der Konferenz weiter gestärkt. Es dient nicht dem Prozess, falls die Fachgruppe Sicherheit zur Fachgruppe Widerstand mutiert. Damit reflektieren die Gremien je länger je weniger die regionale Bevölkerung, eine unschöne Entwicklung. Es freut uns, dass die Mitglieder des Forum Vera weiter engagiert mitarbeiten, auch wenn dies es immer anspruchsvoller wird. 

Veranstaltungshinweis

Frühlingsveranstaltung Regionalgruppe Nordost

 

  • Wie wird ein Kernkraftwerk zurück gebaut?
  • Welche Stoffe müssen langfristig entsorgt werden?
  • Welches Material kann wieder verwendet werden?
  • Wie funktioniert das Recycling?

 

Gerne geben wir Ihnen einen Einblick in diese spannende Thematik. Unsere beiden Referenten sind Patrick Eberhard von den Eberhard Bauunternehmung und Dr. Philipp Hänggi, Leiter Geschäftseinheit „Nuklear“  bei der BKW.

Die diesjährige Frühlingsveranstaltung findet statt am: 
Freitag, 7. April 2017.

 

Programm 

17:00              Eintreffen Ebirec, Rümlang

                        Besichtigung Baustoffrecycling Eberhard

18:00              Verschiebung Ebianum, Fisibach

18:30              Referat Dr. Philipp Hänggi, BKW

19:00              Rundgang Ausstellung im Ebianum

ab 20:00         Kleiner Imbiss im Ebianum

 

Bitte denken Sie an warme Kleider und gutes Schuhwerk.

Anmeldung: Bitte via E-Mail an: info@formumvera.ch