Felsen

Newsletter Nr. 2/15

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Gabriela Winkler

Fachgruppe Sicherheit

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Informationsreise nach Deutschland

Es ist immer wieder interessant, sich im Ausland umzusehen und sich
über den Stand der Entsorgung radioaktiver Abfälle zu informieren.
In Deutschland ist der Standort für ein geologisches Tiefenlager für schwach- und mittelaktive Abfälle festgelegt. Im Schacht Konrad, einem alten Salzbergwerk in Niedersachen, x km von der Stadt Salzgitter entfernt, werden die Tunnels für die Einlagerung der Gebinde mit Abfällen aus Industrie, Forschung und Kernkraftwerken vorangetrieben.
Anders als in der Schweiz ist das Bundesamt für Strahlenschutz für die Entsorgung von radioaktiven Abfällen zuständig. Verantwortlich ist es für Strahlen aller Art, d.h. nicht-ionisierender Strahlung von Telekom-Anlagen, Handys und Starkstromanlagen sowie von UV-Strahlen und radioaktiver Strahlung beim Betrieb von Steinkohle- und Kernkraftwerken. Es wurde am 1.11.1989 gegründet und hat heute rund 850 Beschäftigte. Das letztjährige Budget umfasste rund 425 Mio. Euro. Davon entfielen auf das Endlager Konrad 160 Mio. Euro und auf die Schachtanlage Asse rund 110 Mio. Euro. In Deutschland werden schwach- und mittelaktive Abfälle (SMA) als nicht-wärmeentwickelnde Abfälle bezeichnet im Gegensatz zu hochaktiven Abfällen, die stark wärmeentwickelnde Abfälle genannt werden. Letztere haben ein Volumen von knapp 10 % der SMA, sind jedoch für 99,9 % der Radioaktivität verantwortlich.
Das Bundesamt ist im Besitz einer «Errichtungsbewilligung» für das Endlager für SMA im Schacht Konrad. 2002 erfolgte der Planfeststellungsbeschluss durch das zuständige Staatssekretariat. Im Unterschied zum schweizerischen Verfahren bedarf es damit keiner weiteren Bewilligungen für den Bau und die Inbetriebnahme. In der Schweiz ist das Verfahren bekanntlich dreistufig: 1) Rahmenbewilligung,
2) Baubewilligung, 3) Betriebsbewilligung. Die Bestätigung durch das Bundesverwaltungsgericht und Errichtungsauftrag erfolgte 2007.
Mit der Realisierung des Lagers hat es Dritte beauftragt.
Die Inbetriebnahme ist auf 2022 geplant. Bautechnisch stellen sich im Salzstock besondere Herausforderungen. Salz «fliesst», d.h. Stollen im Berg wachsen ohne Gegenmassnahmen zu. Um die Stollen offenzuhalten, muss regelmässig «nachgeschnitten» werden. Da die Einlagerungstransport-
strecken für eine Dauer von rund 40 Jahren ohne Nachschneiden offen gehalten werden, müssen aufwendige Massnahmen getroffen werden. Betonplatten werden in Abständen lose mit dem Gestein verbunden, so dass sie über die Jahre durch den Bergdruck zusammengeschoben werden.

Die Asse

«Die Asse» steht heute in der veröffentlichten Meinung für leichtfertigen Umgang mit radioaktiven Abfällen. Ganz offen bezeichnen heute
die Verantwortlichen die Einlagerung von SMA im stark ausgebeuteten Salzbergwerk Asse als Fehler. Sie definieren es u.a. wie folgt
«Ein ‹Forschungsbergwerk›, in das niemals radioaktive Abfälle hätten eingelagert werden dürfen.»

In das ursprüngliche Bergwerk wurden von 1967–1978 insgesamt 125'787 Fässer und Gebinde eingebracht. Das radioaktive Inventar ist nach Aussagen des Bundesamtes für Strahlenschutz bekannt, ihre chemische Giftigkeit allerdings weniger.

Seit 2013 steht fest, was mit der Asse geschehen soll. §57b des deutschen Atomgesetztes legt fest: ‹Die Schachtanlage ist unverzüglich stillzulegen. […]
Die Stilllegung soll nach Rückholung der radioaktiven Abfälle erfolgen.
Wie diese Rückholung bewerkstelligt werden kann, ist noch offen.
Die Frage, ob die allfällig zurückgeholten (geborgenen) Fässer dereinst in den Schacht Konrad eingelagert werden können, hat in der Stadt Salzgitter zum geschlossenen Widerstand der Stadtregierung und des Parlamentes geführt.
So oder so gilt wohl das Fazit: Die sichere Stilllegung der Schachtanlage Asse II ist ein Generationenprojekt.