Felsen

Newsletter 2/15

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Matthias Knill

matthias.knill@konsulenten.ch

 

 

Auf der Suche nach den Experten

Komplexe technisch-wissenschaftliche Aufgaben erfordern Experten – doch wer sind diese? Wem können wir vertrauen und welche Anforderungen an diese Spezialisten gibt es?

Auch einem fleissigen Leser von Ärzteromanen wird es leider kaum gelingen, erfolgreich eine Operation am offenen Herzen durchzuführen. Dazu braucht es Spezialisten oder Experten.

Es ist wohl unbestritten, dass auch bei der Entsorgung von radioaktiven Abfällen das Wissen von Fachleuten gefragt ist. Ihre Expertise ist notwendig, um für eine entsprechend anspruchsvolle Aufgabe eine sichere Lösung zu finden.

 

Das Wirken der Experten bleibt nicht im Dunkeln. In der Öffentlichkeit werden ihre Aussagen zunehmend als die Stimme der unabhängigen Kontrollinstanz verstanden. Sie werde von den Medien gesucht, um die Arbeit der Entsorgungspflichtigen zu hinterfragen.

Kritische Fragen sind notwendig und zielführend. Wenn es um fachspezifische Fragen geht, so sind wir jedoch gefordert, auch die Wahl der Experten, ihren Hintergrund und ihre Interessen kritisch zu hinterfragen. Bezüglich der Glaubwürdigkeit von Experten bestehen einige grundlegende Herausforderungen:

  • Es gibt nicht den Experten für die Entsorgung. Es gibt unterschiedliche Teilaspekte.
  • Die Schweiz ist klein. Experten zur Entsorgungsthematik gibt es nicht in Hülle und Fülle.
  • Medienstars sind nicht zwingend die Fachexperten.

Auch das Forum Vera beschäftigt sich kritisch mit den Aufgaben und Rollen der verschiedenen Akteure im laufenden Sachplanverfahren. Dazu zählen auch die zahlreichen Experten unterschiedlichster Ausprägung. Es geht dabei darum dass

  • Experten aktiv offen legen, für wen sie arbeiten und gearbeitet haben. Diesbezüglich unterstehen sie den gleichen Regeln wie Lobbyisten oder Berater.
  • Ausbildung, Erfahrung, Haltung der Experten hinterfragt werden müssen. Nicht jeder Experte ist in allen Fachgebieten der Entsorgung ein Experte. So darf bezweifelt werden, ob ein Paläontologe glaubwürdig zu Fragen der Bautechnik eine Aussage machen kann. Die Experten sind gut beraten, nur zu Ihren Kernthemen zu sprechen.
  • die Aufsichtsbehörden ihre Experten zur Verfügung stellen. Das Ensi als unabhängige Instanz verfügt über zahlreiche Spezialisten. Leider ist ihre mediale und öffentliche Visibilität noch zu gering.
  • Medien angehalten sind, kritische zu hinterfragen, wen Sie als Experten auswählen, deklarieren und zitieren. Die Interessenbindungen der Experten sollte dabei stets transparent gemacht werden.

Fritz Krebs

krebslandolt@bluewin.ch

 

 

Bericht aus der Fachgruppe Sicherheit ZNO

Fritz Krebs

Als Teil der Regionalkonferenz ZNO wurde die Fachgruppe Sicherheit vom BFE gebeten eine Stellungnahme zum „2x2- Vorschlag" der NAGRA aus ihrer Sicht als Miliz- /Laiengremium zu erstellen. Die Stellungnahme soll im besonderem die Nachvollziehbarkeit und Transparenz aus Sicht des Gremiums aufzeigen. Eine nicht ganz einfache Aufgabe, da als Grundlage zur Stellungnahme der ca. 500 Seiten umfassende Hauptbericht dient. Dieser umfasst die Herleitung und Zusammenfassung der Resultate der sicherheitstechnischen Vergleiche der geologischen Standortgebiete, sowie den Vorschlag der NAGRA welche Gebiete in der Etappe 3 weiter zu untersuchen sind.

Eines der Hauptkriterien für die Einengung gem. Bericht ist die bautechnische Eignung der Standortgebiete. Dies betrifft die Tiefenlage und die damit zusammenhängende mögliche Lagerflächenausdehnung unter Tag pro Lagerort. An zwei Sitzungen der Fachgruppe orientierte die NAGRA fachlich eingehend aber gut verständlich über dieses Einengungskriterium. Nachvollziehbar und transparent wurden die Auswirkungen/Abhängigkeit der Tiefe der Lagerorte unter der Oberfläche auf das Wirtgestein dargestellt und die verschiedenen Nachteile, wie zusätzliche Auflockerungen und Deformationen erklärt welche nach verschiedenen Optimierungen zur Einengung auf die von der NAGRA vorgeschlagenen Standorte Jura Ost und ZNO führten.

Die Stellungnahme der Fachgruppe wird zurzeit aufgrund verschiedener Kriterien erarbeitet;
z.B.:

Ist die „ Sprache „ verständlich?
Ist die Herleitung und Begründung, sowie die Wertung der Kriterien verständlich und nachvollziehbar?
Sind die Wertungen der Kriterien innerhalb der verschiedenen Standortregionen vergleichbar?
Wurden offene, ungeklärte Fragen angesprochen? aber auch,
Welchen Eindruck macht der Bericht auf uns als „Laienfachgruppe"?. 

Hans Ulrich Schmid

schmidhs@yahoo.com

Portrait Hans Ulrich Schmid

Name: Hans Ulrich Schmid

Adresse: Unter Hilti 16, 8444 Henggart

Geboren: 27. Januar 1947

Bürger: von Thalheim (ZH) und Henggart

Beruf: Eidg. dipl. Buchhalter/Controller (pensioniert)

Interessen: Sport (Turnen, Biken, Tennis, Skifahren, Wandern),

Freiwilligenarbeit, Politisches Geschehen, Reisen

Politik: 12 Jahre Gemeinderat; davon 8 Jahre Präsident

 

Darum bin ich Forum VERA Mitglied:

  • In der Schweiz fallen seit Jahrzehnten aber auch in Zukunft radioaktive Abfälle in allen Kategorien an.
  • Diese Abfälle mangels eines geeigneten Endlagers nach wie vor in oberirdischen Zwischenlagern deponiert werden müssen.
  • Die verantwortungsbewusste Entsorgung in einem Tiefenlager im Inland die klar beste Lösung darstellt.
  • Der Sicherheit dabei stets erste Priorität einzuräumen ist.
  • Das Forum VERA eine ausgezeichnete Plattform für eine neutrale aber auch kritische Beurteilung des Entsorgungsprozesses sowie für ein Mitwirken in einer Regionalkonferenz bietet.

 

Bedingt durch einen Rücktritt arbeite ich deshalb seit Ende April 2015 in der Fachgruppe Sicherheit ZNO mit.

 

 

 

 

 

Sommerveranstaltung 2015

Rheinfall- und Weinlandgeologie

Auch in diesem Sommer haben wir unsere traditionelle Sommerexkursion durchgeführt. Im Zentrum stand dabei die Geologie des Rheinfalls und des Zürcher Weinlands.

Bei bestem Sommerwetter begrüsste Christian Heydecker gut 30 Personen am Treffpunkt bei Schluss Laufen.

 

 

Unsere Referenten und Exkursionsleiter Dr. Fredy Gübeli und Dr. Herfried Madritsch, Projektleiter Feldarbeiten der Nagra erläuterten jeweils an Ort und Stelle die jeweilige Geologie.

 

 

Schon beim Blick in das Rheinfallbecken ergaben sich viele Fragen zu seiner Entstehung. Es wurde aber darüber diskutiert, wie der Rheinfall in ein paar tausend Jahren aussehen könnte. 

 

Der Blick zurück erlaubt es, Prognosen zu machen

Die Erosionsprozesse spielen auch bei den Überlegungen zu einem möglichen Tiefenlager eine wichtige Rolle. Aufgrund der heutigen Beobachtungen können beispielsweise Aussagen gemacht werden, wie rasch ein Fluss sich in die Landschaft eingräbt. Dabei muss beispielswiese auch berücksichtigt werden, ob ein See vorgelagert ist, durch den das Geschiebe aufgehalten wird. „Wir müssen in verschiedenen Szenarien denken“, so Herfried Madritsch. 

 

Rheinfall Modell

 

Der Felsuntergrund, der viel älter ist als der Rheinfall selbst, wie auch die bedeutend jüngeren geologischen Vorgänge während des gegenwärtigen Eiszeitalters führte zur Entstehung des Rheinfalls. Durch die allgemeinen Temperatursenkungen setzten vor rund 700‘000 Jahren die ersten grossen Vergletscherungen des Mittellands ein und gestalteten die heutige Landschaft nachhaltig.

 

Vor der vorletzten Eiszeit vor ca. 150‘000 Jahren floss der Rhein von Schaffhausen westlich durch den Klettgau. Dieses frühere Flussbett wurde wieder mit Alpenschotter aufgefüllt. Während der vorletzten Eiszeit wurde der Eingang ins Klettgau durch eine mächtige Moräne verstopft und der Rhein fand einen neuen Weg in Richtung Süden. Dabei schnitt er sich an einer neuen Stelle sogar noch etwas tiefer in die Kalkgesteine ein als beim alten Durchgang Richtung Klettgau. Der Rheinlauf unterhalb des Fallbeckens heute entspricht dieser Rinne, die wieder mit Schotter aufgefüllt wurde.

 

Während der letzten Eiszeit wurde der Rhein dann nochmals in weitem Bogen gegen Süden abgedrängt und erreichte oberhalb des Falles sein heutiges Bett auf hartem Malmkalk. Beim Übergang von den harten Kalken zur leicht abtragbaren risszeitlichen Schotterrinne entstand so vor rund 14‘000 bis 17‘000 Jahren der Rheinfall nahezu in seiner heutigen Form. Die Rheinfall-felsen bilden die Überreste der ursprünglich steil abfallenden Kalk-steinflanke der einstigen Abflussrinne 

 

Das Weinland dokumentiert, welche Spuren die Gletscher in den letzten 2 Millionen Jahren hinterlassen haben.

Unterhalb des Hörnli in Uhwiesen im Chrichhölzli erklärte Fredy Gübeli die regionale Geologie und einige der wenigen Aufschlüsse im Zürcher Weinland.  Es handelt sich um eiszeitliche Ablagerungen der grossen alpinen Vorlandgletscher. Während den glazialen Phasen wurden Erosionsrinnen bis zu 300 m tief in die darunter liegenden Festgesteine eingetieft. In den interglazialen Phasen wurden durch periglaziale Flusssysteme die Rinnen mit sandig-kiesigem Schotter verfüllt. Neben den Schotterkörpern stellen auch die verschiedenen Moränentypen wichtige glaziale Ablagerungen dar. Das Chrichhölzli ist eine aufgelassene Kiesgrube und steht heute unter Naturschutz.

 

Interessant zu erfahren waren auch die Ausführungen von Hendrick Madritsch über die laufenden Altersdatierungen der Sedimentgesteine und die Schlüsse die daraus gezogen werden können. Sie geben wertvolle Hinweise, welche Erosionstiefen die Vergletscherungen in den letzten rund 2 Millionen Jahren hinterliessen und welche Gebiete sich für eine Tiefenlager eignen.

 

 

Mit Blick auf den südlich gelegenen Irchel gingen die Gäste dann auch auf eine Zeitreise zur Entstehung des Zürcher Weinlands.